174
Es traf ihn zwar Mancher, daß Blut lief darnach.Doch Mancher auch schont ihn großmüthig, und spracht„ES ist ein Gelübde — und brächte kein' Ehr',
Den Mann zu erschlagen, der gerne tod> war."
Auch der Fürst den Kampf nun beendigen ließ.
Sein Stad flog zur Erde, die Trompete blies.
Die Richter erklärten und jeglicher HeldDen Ritter vom Nachtkleid als Sieger im Feld.
Die Mahlzeit war nah' und noch näher die Meß,Als ein Knappe gebückt sich naht der Prinzeß,
Und reicht ihr ein Kleid, das nicht anzuschn war;Zerhauen, zerstochen war's ganz und gar.
Zerlumpt und zerrissen, mit Blut befleckt.
Mit Schaum und niitStaub und mitKoth bedeckt —Und der Finger der Dame hält' da nicht, ich mein'.Bedeutet ein Fleckchen noch sauber und rein.
„Es sendet mein Ritter, Sir Thomas von Kent,Dies Pfand der Prinzessin von Benevent.
Den Erklett'rer des Baums müssen Früchte lohnen.Wer die Bucht übersprang, darf drüben wohnen.
Ich suchte den Ruhm in der größten Gefahr;
Nun wert»' meiner Dame Treu' auch offenbar.
Wenn so schwere Arbeit fle geben mag;
Lob' sie das Gelingen am Hellen Tag.
Das Kleid, spricht mein Herr, ich geb' es hier wieder,ES decke nun auch meiner Dame Glieder;
Trotz Löcher und Flecken acht' sie es doch gut:
Kein Schandfleck ist drauf, ist's rorh auch von Blut."Die Prinzessin erröthet, und drücket mit LustDas blutige Kleid an Lippe und Brust.
„Sag' an meinem Ritter, daß heut' alle WeltSoll schau'n wie ich ehre den muthigen Held,"
Und als nun die Edlen beim GlockenklangZu Münster und Messe sich setzten in Gang:
Woran die Prinzeß an der Spitze vom ZugUeber all ihrem Putze das Blutgewand trug.
Und als auf den Knie'n sie beim festlichen MahlDarbot ihrem Vater den golduen Pokal;
Ueber Prachtgewändern und Stahlengeschmeid'
Hing ihr von den Schultern das blutige Kleid.
Da sieht man die Ritter den Damen Winken;
Es flüstern die Damen mit Kichern und Blinken.Und der Fürst von Scham und Zorn bewegt.
Die Augen zu Boden darniederschlägt.