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„Die Ketten sind wenigstens leicht abgeworfen," sagteBlondel, indem er mit den Fingern die Saiten durchlief, wieEiner, der lieber gespielt als Kritik angehört hätte.
„Aber warum sie anlegen, Freund?" fuhr der König fort.„Warum deinen Genius in eiserne Handschellen zwängen?Mich wundert nur, wie dir Alles gelingt. — Ich bin gewiß,ich wäre nicht im Stande gewesen, in diesem gezwungenenBerSmaß nur eine Strophe zu dichten."
Blondel blickte zu Boden, und beschäftigte sich mit denSaiten seiner Harfe, ein unwillkürliches Lächeln, das seineZüge bewegte zu verbergen, aber es entging nicht der Be-obachtung Richards.
„Bei meiner Treue, du lachst mich aus, Blondel," sagteer; „und in Wahrheit, Jedermann verdient es, der sich her-ausnimmt, den Meister zu spielen, während er der Schülersein sollte; aber wir Könige haben die schlechte Gewohnheit,uns selbst zu überschätzen. — Doch wohlan, beginne dein Spiel,bester Blondel — mach' cs nach deiner eigenen Weise, diebesser ist als Alles, was wir dir angeben können, obgleichwir nothwendigerweise reden müssen."
Blondel nahm seinen Gesang wieder auf, und da er leichtaus dem Stegreif Verse machte, so ermangelte er nicht, dieWinke des Königs zu befolgen, und vielleicht war es ihm nichtunangenehm, zu zeigen, mit welcher Leichtigkeit er ein Ge-dicht während des Vortrags selbst umgießen konnte.
Der Iohannismorgen sab ritterlich Spiel,
Gewonnene Ehre, verfehltes Ziel;
Es sausten die Schwerter, cS brach mancher Stab —
Dem Sieger ward Ruhm, dem Besiegten ein Grab.
Und mancher Ritter focht rühmlich und brav.
Doch ein Einziger Alle gar weit übertraf:
Denn all' seine Rüstung um Brust und um LeibWar ein Nachtkleid nur, schien es, von einem Weib.