«Ich seh' eS, ich weiß es, ich habe recht vermuthet," fuhrEdith fort. „Ich bemerkte Euch gleich auf dem St. GeorgS-hügel, wo ich mit der Königin war. Auch Euren wackerenHund kannte ich. Das müßte keine echte Dame sein, und siewäre unwürdig des Dienstes eines Ritters wie du, wennVerkleidung oder eine andere Farbe ihr einen treuen Dienerverbergen könnten. Sprich darum ohne Furcht zu Edith Plan-tagcnet. Sie weiß cS, wie sie den guten Ritter in seinem Un-glück trösten soll, der, als das Glück ihm noch günstig war,ihr diente, sie ehrte, und Waffenthaten in ihrem Namen ver-richtete. — Noch immer schweigend! Ist es Furcht oder Scham,daß du so stumm bist? Furcht sollte dir unbekannt sein und dieScham laß denjenigen, die dir Schaden zugefügt haben."
Der Ritter war in Verzweiflung, daß er genöthigr war,bei einem solchen Zusammentreffen denStummen zu spielen; indeßer konnte seinen Verdruß darüber nur durch tiefes Seufzen unddadurch, daß er den Finger auf die Lippen legte, kund geben.
„Was!" sagte sie, „wirklich der asiatische Stumme, dendas Aussehen verspricht? Das Hab' ich nicht gewußt. — Oderverachtest du mich vielleicht, weil ich es frei heraussagte, daß ichdie Huldigung, die du mir geleistet hast, sorgsam beachtet habe?Denke darum nicht unwürdig von Edith. Sie kennt recht gutdie Schranken, welche Zurückhaltung und Bescheidenheit hochge-bornen Jungfrauen setzen, und sie weiß, wann und wie weitdiese Schranken der Dankbarkeit reichen muffen und dem auf-richtigen Verlangen, wenn's möglich ist, Dienste zu belohnen undSchaden zu vergüten, der in der Ergebenheit, die ein guterRitter gegen sie trug, seinen Grund hatte. — Warum faltestdu die Hände, und ringest sie so leidenschaftlich? — Wäre csmöglich," fügte sie hinzu, bei dem Gedanken zurückdebend, „daßihre Grausamkeit dich wirklich der Sprache beraubt hat ? Du