führt, welches an das der Königin stieß, deren zwei koptischeSclavinnen während der Unterhaltung in dem entferntesten Win-kel auf denKnieen verharrten. Ein feiner, schwarzer Schleierumwallte die schlanke, edle Gestalt des edlen Fräuleins, und sietrug keinerlei Art von weiblichem Schmuck an sich. Sie erhubsich und machte eine tiefe Verbeugung, als Richard eintrat,nahm auf sein Geheiß ihren Sitz wieder ein, und erwartete,als er neben ihr Platz genommen hatte, ohne ein Wort zusagen, daß er ihr seine Mittheilung mache.
Richard, der gewohnt war, mit Edith vertraut zu feinvermöge der zwischen ihnen bestehenden Verwandtschaft, fanddiesen Empfang kalt, und begann das Gespräch mit einigerVerlegenheit.
„Unsere schöne Vase," sagte Richard endlich, „ist böse aufuns; und wir gestehen ein, daß uns ein starker Anschein ver-leitet hatte, ihr gegen ihr Verschulden ein Betragen zur Lastzu legen, das wir in ihrer gewöhnlichen Aufführung nie ge-funden hatten. Aber so lange wir in dem dunklen Thale desLebens wallen, werden wir als Menschen Schatten für Wesenhalten. Sollte meine schöne Base ihrem ein wenig hitzigenVerwandten Richard nicht verzeihen?"
„Wer sollte Richard nicht verzeihen," antwortete Edith,„vorausgesetzt, daß Richard die Verzeihung des Königs er-halten könne?"
„Laß das, meine Base," versetzte Löwenherz, „dieser Tonist zu feierlich. Bei unserer lieben Frau, so ein trauriges Ge-sicht und so ein einfacher, dunkler Schleier könnten die Leuteglauben machen, du seist eine Wittwe oder hättest wenigstenseinen Bräutigam verloren. Sei gutes Muths — du weißt esohne Zweifel schon, daß kein Grund zur Trauer vorhandenist — warum also diese Trauerzeichen beibehalten?"