51
das Kloster, und Satan, der mich zu seiner Beute ausersehe»hatte, erfüllte mein Herz mit einem Dampfe geistlichen Stol-zes, der nur in der Hölle seinen Ursprung haben konnte. Ichstieg so hoch in der Kirche, als ich vormals im Staate ge-stiegen war — ich war ja der weise, der sich selbst genügende,der unsündhafte! — Ich war der Rathgebcr von Concilien— ich war der Lenker von Prälaten — wie sollte ich strau-cheln — welche Versuchung sollte ich fürchten? — Ach! ichwurde Beichtvater eines Nonnenklosters, und unter den Non-nen fand ich die langgcliebte, langverlorne. Erlaß mir denweiteren Aufschluß! — Eine gefallene Nonne, deren Schulddurch Selbstmord gerochen wurde, schläft tief in den Höhlenvon Engaddi, während über ihrem Grabe ein Geschöpf seufzet,wehklagt und heult, dem nur so viel Vernunft übrig geblie-ben ist, als hinreicht, um sein Schicksal vollkommen zu em-pfinden!"
„Unglücklicher Mann!" sagte Richard, „ich wundere michnicht länger über dein Elend- Wie bist du der Strafe entgan-gen, welche die Canons auf dein Verbrechen gesetzt haben?"
„Frage einen, der noch die Galle weltlicher Bitterkeit hat,"sagte der Einfiedler, „und er wird dir von einem Leben spre-chen , das man aus Rücksichten auf Person und hohe Geburtverschonte. Aber ich sage dir, Richard, daß mich die Vor-sehung aufgespart hat, um mich auf der Höhe als ein Licht-und Lärmfeuer zu erheben, deren Asche in den Abgrund ge-worfen wird, wenn der irdische Stoff verbrannt ist. So weckund trocken auch dieser elende Körper ist, er ist doch von zweiGeistern belebt — der eine thätig, fein und scharffinnig, dieKirche von Jerusalem zu vertheidigen — der andere niedrig,verworfen, und verzweifelnd, bald von Wahnsinn ergriffen,bald von der Betrachtung seines Elends, über eigene Ver-
4"