43
„Aber wie — wenn der Herzog von Oestreich alle Teil-nahme an dieser schändlichen und schurkischen That leugnet?"sagte Thomas de Vaup.
„Sag' ihm," versetzte der König, „wir wollten cs ihm aufseinen Kopf beweisen — ja, und wäre er von zweien seinerbesten Kämpen unterstützt. Ritterlich wollen wir es beweisen,zu Fuß oder zu Roß, in der Wüste oder im Gcsield, — Zeit,Ort und Waffen stehen in seiner Wahl"
„Bedenket den Gottes- und Kirchenfriedcn, mein Fürst,"sagte der Baron von Gilsland, „den die Fürsten des Kreuz-zugs unter sich eiugegangen sind."
„Bedenket, wie Ihr meine Befehle ausrichten möget, meinVasall," antwortete Richard ungeduldig. „Es scheint, als wolleman unseren Entschluß durch einen Mund voll Wind wenden,wie Knaben eine Feder hin und her blasen. Kirchenfriede! —was, ich bitte dich, soll das heißen? Der Kirchenfriede zwischenden Kreuzfahrern heischt Krieg mit den Saracenen, mit denendie Fürsten einen Stillstand geschloffen haben — und der einehört mit dem anderen auf. Und überdies, sehet ihr nicht, wieein jeder dieser Fürsten sein eigenes Ziel verfolgt? — Auch ichwill das meinige verfolgen — es ist das der Ehre. Um derEhre willen bin ich hierher gekommen, und wenn ich sie denSaracenen nicht abgewinnen kann; so will ich wenigstens keinPünktchen Achtung an diesen elenden Herzog verlieren, auchwenn alle Fürsten des Kreuzzugs ihn stürmten und schützten."
De Baux wandte sich, dem Befehl des Königs zu gehor-chen; aber zu gleicher Zeit zuckte er die Achseln; denn seinederbe Natur konnte es nicht verbergen, daß der Inhalt des Be-fehls gegen seine Ueberzeugung ging. Aber der Einsiedler vonEngaddi trat vorwärts, und nahm einen Ausdruck an, als wäreer mit höheren Befehlen als denen eines bloßen Erdenkönigs be-