2 »
wenn das Leben ihres Liebhabers auf dem Spiele steht? Nun,bei König Heinrichs Seele! es fehlt wenig, daß ich befehle, dei-nes Buhlen Schädel vom Galgen zu bringen, und als ewigesAngedenken neben das Crucifir deiner Zelle zu hängen."
„Und wenn du sendest, ihn vom Galgen zu bringen undauf immer mir vor Augen zu stellen," sagte Edith, „so werdeich sagen, daß es eine Reliquie von einem guten Ritter ist, derauf unwürdige und grausame Weise getödtet worden von" —(sie hielt sich selbst zurück) — „von einem, von dem ich nursagen werde, er hätte es besser verstehen sollen, Ritterlichkeitzu belohnen. Du nennst ihn meinen Buhlen?" fuhr sie mitsteigender Heftigkeit fort. „Er war in der That mein Lieb-haber und ein sehr getreuer; aber nie suchte er eine Gunst vonmir weder durch Worte noch Gebcrden, es genügte ihm einebescheidene Huldigung, wie sie die Menschen den Heiligen erwei-sen. Und dieser gute — tapfere — getreue muß sterben darum!"
„O still, still, um der Barmherzigkeit willen," flüsterte dieKönigin, „Ihr reizet ihn nur noch mehr!"
„Was liegt daran!" sagte Edith; „die reine Jungfraufürchtet die Wuth des Löwen nicht. Laßt ihn sein Werk voll-bringen an diesem würdigen Ritter. Edith, für die er stirbt,wird sein Gedächtniß zu beweinen wissen — zu mir soll dannNiemand mehr sprechen von politischen Verbindungen, welchedurch diese arme Hand hier geheiligt werden sollen. Ich konnteund wollte nicht die Braut des Lebendigen sein — unser Rangwar zu verschieden. Aber der Tod macht Hohes und Niede-res gleich — ich bin fortan die Verlobte des Grabes"
Der König war eben im Begriff, mit vieler Heftigkeit zuantworten, als plötzlich ein Carmclitermönch hereintrat, Kopfund Leib in die lange Kutte von gestreiftem, grobem Zeug ge-hüllt, welche diesen Orden unterschied, und sich vor den König