195
Unvollkommen gehört und noch unvollkommener verstandenvon dem bestürzten Bediensteten, an den sich de Vaur hastiggewandt, eilten der Stallmeister und seine Knechte in die Zeltedes benachbarten Avcls, und im Nu verbreitete sich der Lärm,eben so allgemein als die Ursache dunkel war, durch das ganzebrittische Heer. Die englischen Krieger, zu den Waffen gerufenvom Mittagsschlaf, den die Hitze des Klima's sie als einenHochgenuß zu betrachten gelehrt hatte, fragten bestürzt einerden andern um die Ursache des Lärms, und, ohne eine Ant-wort zu erwarten, ersetzten sie durch die eigene Einbildungs-kraft den Mangel an Auskunft. Die einen sagten, die Sa-racenen seien im Lager, die anderen, daß des Königs Lebennachgestrcbt werde, wieder andere, daß Richard die vergangeneNacht am Fieber gestorben sei, und einige, daß er vom Her-zog von Oestreich ermordet worden sei. Edclleute und Offizierewaren eben so wenig wie der gemeine Mann im Stande, diewahre Ursache des Lärms sicher anzugeben, und sie bemühtensich einzig, ihre Untergebenen unter die Waffen und in Ord-nung zu bringen, damit nicht ihre Uebereilung dem Heer derKreuzfahrer irgend ein großes Unglück verursache. Die eng-lischen Trompeten tönten laut, schmetternd und unausgesetzt.Das Lärmgeschrei: „Bogen und Lanzen — Bogen und Lan-zen!" wurde von Quartier zu Quartier gehört, wieder undwieder erhoben, und wieder und wieder beantwortet durchdas Erscheinen der pünktlichen Krieger und ihr Nationalge-schrei: „St. Georg für das schöne England!"
Der Lärm drang in die benachbarten Theile des Lagers,und Männer von allen den verschiedenen Völkern, wobei vielleichtein jedes Volk der Christenheit seine Abgeordneten hatte, eiltenzu den Waffen, und stießen zu einander unter einer Verwirrung,wovon sie weder Grund noch Absicht einsahen. Mitten in dieser
IL