„Sie wird nimmer verschwinden," antwortete Conrad.
„In Wahrheit Träume von Herzogshüten und Königskronenhaften ein wenig fest in der Einbildung," versetzte derGroßmeister.
„Wohl," antwortete Conrad, „laß mich nur zuerst denVersuch machen, den Frieden zwischen Oestreich und Englandzu stören."
Sie trennten sich. — Conrad blieb aus dem Fleck stehen,und heftete den Blick auf das weiße, fliegende Gewand des Temp-lers, der langsam davon schritt, und nach und nach in demdichten Dunkel der morgenländischen Nacht verschwand. Stolz,ehrgeizig, gewissenlos und verschlagen war der Marquis vonMontserrat, doch nicht grausam von Natur. Er war ein Lüst-ling und Epikuräer, und gleich Vielen von dieser Gemüthsartwar er abgeneigt, selbst zu selbstsüchtigen Zwecken, Anderenein Leid zuzufügen oder Grausamkeiten zu begehen; und ebenso bewahrte er jene Scheu für den eigenen Ruf, die zuweilendie Abwesenheit besserer Eigenschaften, wodurch der gute Ruferhalten wird, ersetzt.
„Ich habe," sagte er, als er forlfuhr, seine Augen auf denPunkt zu heften, wo er das letzte, kaum sichtbare Wallen vondes Templers Mantel bemerkt hatte, „ich habe in Wirklichkeitden Teufel heraufbeschworen! Wer hätte geglaubt, daß dieserstreng-tugendhafte Großmeister, dessen Glück und Unglück mitdem seines Ordens verwachsen ist, mehr zur Vergrößerung die-ses Ordens zu thun bereit sei, als ich zu meinem eigenen Vor-theil thun möchte? Diesen tollen Kreuzzug zu hemmen, war inder That meine Absicht; aber ich wage nicht, an jenes Hülss-mittel zu denken, das dieser entschlossene Masse mir angegebenhat, obgleich es das sicherste, vielleicht das ungefährlichste ist."
Diese Betrachtung stellte der Marquis an, als sein halb-lautes Selbstgespräch durch eine Stimme aus der Nähe unter-