Unterdessen hatten Ereignisse stattgehabt, welche den Ver-muthungen, die Thomas de Vaur nährte, stark widersprachen.Kaum hatte er das königliche Zelt verlassen, als Richard, des-sen natürliche Unruhe durch das Fieber gesteigert wurde, übersein Ausbleiben zu murren begann, und sich ernstlich nachseiner Rückkunft sehnte- Er hatte Alles versucht, sich dieserunruhigen Stimmung, die seine Krankheit vergrößerte, zu ent-ziehen. Er ermüdete seine Diener, indem er Zerstreuung vonihnen verlangte; doch das Brevier des Pfaffen, der Romandes Schreibers, selbst die Harfe seines Lieblingssängers —nichts wollte helfen. Endlich, etwa zwei Stunden vor Son-nenuntergang und also lang zuvor, ehe er einen befriedigen-den Bericht über den Erfolg der von dem Mauren oder Ara-ber unternommenen Kur haben konnte, sandte er, wie wirgehört haben, einen Boten, der den Ritter vom Leopardenzu ihm zu kommen bescheiden sollte: er hoffte, seine Unruhezu beschwichtigen durch die umständlicheren Mittheilungen, dieihm Sir Kenneth Ton seiner Abwesenheit vom Lager undvon den Umständen seines Zusammentreffens mit dem be-rühmten Arzte machen würde.
Dieser Aufforderung gemäß trat der schottische Ritter indas königliche Gemach wie einer, der sich an einem solchenOrte nicht fremd fühlt. Er war dem König von Englandkaum von Ansehen bekannt, wiewohl er aus Eifersucht fürseinen Rang und aus Liebe für die Dame seines Herzens nie-mals bei Gelegenheiten abwesend gewesen war, wo die eng-lische Freigebigkeit und Gastlichkeit den königlichen Hof Allenöffnete, die einen gewissen Grad in der Ritterschaft besaßen.Der König sah Sir Kenneth, der sich dem Bette näherte, festan; der Ritter beugte einen Augenblick das Knie, erhob sichdann und nahm eine Stellung, wie sie einem Beamteten in