„Deine Worte," sagte er, „o Nazarener, könnten Aergernißerregen, wenn deine Unwissenheit nicht Nachsicht forderte.Siehst du denn nicht, o du mit größerer Blindheit geschlagenerals jene, die am Thor der Moschee um Almosen bitten, daß dieFreiheit, mit der du prahlst, sich beschränkt findet gerade indem, was für des Mannes Glück und häusliches Leben das Wich-tigste ist; und daß dein Gesetz, wenn du's befolgst, dich in derEhe an ein Einziges bindet, sei sie krank oder gesund, fruchtbaroder verschlossen, und bringe sie Lust und Behagen oder Zankund Streit dir zu Tisch und Bette? Dies, o Nazarener, nenneich wahrhaftige Knechtschaft; wogegen der Prophet die Freiheitunseres Stammvaters Abrahams undSalomo's, des weisestenMannes, jedem Gläubigen für das Erdenleben «erstattet, unshier einen fortwährenden Genuß der Schönheit und jenseits desGrabes die schwarzäugigen HouriS des Paradieses "
„Nun, bei dem Namen dessen, den ich am meisten verehreim Himmel," sagte der Christ, und bei den Frauen, denen ichhuldige auf Erden, du bist nichts als ein blinder und verirrterUngläubiger! — Das diamantene Siegel, das du am Fingerträgst, hat es nicht für dich einen unschätzbaren Werth?"
„Balsora und Bagdad zeigen nicht seinesgleichen," ant-wortete der Saracen; „aber was hat dies mit unserem Ge-spräch zu schaffen?"
„Sehr viel," versetzte der Franke, „wie du selbst wirst ge-stehen müssen. Nimm meine Streitaxt und zerschlage diesenStein in zwanzig Stücke; — würde ein jedes dieser Stückeso viel Werth sein, als der ganze Stein, oder würden sie allezusammen nur den zehnten Theil seines Werthes haben?"
„Das ist eine kindische Frage," antwortete der Saracen;„die Stücke eines solchen Juwels würden nicht den hundertstenTheil so viel Wert- sein als der ganze Edelstein."