II
trags mit der größten Bescheidenheit, und ohne die Gerechtig-keit des Siegers wegen ver strengen Behandlung ihrer Lands-leute anzuklagen, flehten sie bloß darum, daß dieser Strengeein Ende gemacht werde, und zu gleicher Zeit legten sie diemitgcbrachten Schätze vor Richard nieder, indem sie sich undihren Herren als Bürgen für jede weitere Summe anboten, diefür die Freilassung der Gefangenen begehrt werden könnte.
König Richard sprach mit Worten hold:
„Behüt mich Gott vor eurem Gold!
Theilt'S unter euch, denn ich Hab' mehrAls euer Herr und drei wie er.
Doch eh' ihr von dannen reiset.
Will ich, daß ihr mit mir speiset.
Und nach der MahlzeitSollt ihr haben Bescheid:
Ich theil' euch dann mit.
Was ich beschloß auf eure Bitt."
Die Einladung wurde dankbar angenommen. Richard gabHierauf seinem Marschall heimlich Befehl, sich nach dem Gefäng-niß zu verfügen, eine bestimmte Anzahl der vornehmsten Ge-fangenen auszulesen, die Namen derselben sorgfältig auf einePergamentrolle zu schreiben, und ihnen ohne Verzug die Köpfeabhauen zu lassen; diese Köpfe sollten dem Koch überliefertwerden mit der Weisung, dieselben von Haaren zu säubern,in einem Kessel zu kochen, und auf verschiedenen Schüsselnzuzurichten, so daß jeder Gast einen Kopf erhielte, der aufder Stirne ein Pergament trüge, worauf der Name und dieFamilie des Schlachtopfers angegeben sei. Richard verlangte,daß ihm selbst ein solcher Kopf vorgesetzt werde.
Dieser grausame Befehl wurde genau vollzogen. Zur Mit-tagszeit wurden die Gäste durch die Musik der Pfeifer auf-gefordert, sich zu waschen. Der König, umgeben von seinenvornehmsten Hofleuten, setzte sich an der hohen Tafel, unddie übrigen Gäste nahmen ihren Platz an einer langen Tafel,