230
hatte und erreichte, war, dies Papier zu eutmeudeu. Derelende Notar war am Morgen bei ihm gewesen und hatteohne Zweifel den schwachsinnigen, alten Mann zu dieser Fre-velthat bestimmt, um ein weiteres Hindernis; der Einlösungdes Gutes zu schaffen. Wenn ein Mächtigerer bei dieserSchändlichkeit die wahre Triebfeder mar, so verzeihe ihm Gott.Er steht oor seinem Richter."
„Amen!" sprach Glenvarloch, und Alle sprachen es nach.
„Was meinen Vater betrifft," fuhr Martha fort, indemihre harten Züge von einem unwillkürlichen krampfhaften Zuckenbewegt wurden, „so hat ihm sein Frevel und seine Thorheitdas Leben gekostet. Ich glaube steif und fest, daß der Elende,welcher ihn am Morgen beredete, das Papier zu entwenden,das Fenster offen gehalten hat, damit die Mörder hinein konnten."
Einen Augenblick herrschte allgemeines Schweigen. DerKönig unterbrach dasselbe mit der Erklärung, daß der schuld-beladene Notar ohne Verzug ausfindig gemacht werden solle,,und schloß mit der römischen Richterformel: „I lictor, völlig»mnmis, capnt obnubito, intelici mispemlire nrliori" ^).
Lowestvffe machte mit gebührender Ehrfurcht die Bemer-kung, daß der Notar seit Dalgarno's Todestag sich versteckhabe, und daß seit der Zeit Nichts von ihm zu sehen noch zuhören gewesen.
„Mau suche nach ihm," sprach der König. — „Aber jetztlaßt uns dem Gespräche eine andere Wendung geben. DieseGeschichten machen einem ja das Blut erstarren, und passenschlechterdings nicht zu einem Hochzeitsfeste. II)'men, o kl;me-naee!" — rief er, mit den Fingern schnalzend. „Lord Glen-
§) Geh', Nachrichter, binde die Hände, verhülle das Haupt, hängtauf an dem Nnglücköbaum.