229
„Noch ein Mal, still!" nahm die Neuvermählte wiederdas Wort. „Dies Papier, Herr von Glcnvarlveh, gehörtebenfalls Euch. Nehmt es, verschont mich aber mit der Frage,wie es in meine Verwahrung gekommen ist."
Der König hatte sich neben den Freiherr» gedrängt, be-trachtete neugierig die Schrift und rief: „Unsere königlicheAnweisung für das Geld, die so lange vermisst wird! Wieseid Ihr dazu gekommen, Jungfer Braut?"
„Das ist ein Geheimnis;," antwortete Martha trocken.
„Ein Geheimnis;, welches nie über meine Zunge komme»soll, es sei denn, das; der König cs mir bei meiner Unter-thancnpflicht gebietet," setzte Richard hinzu.
„Ich gebiet' es dir, ich gebiet' es dir," stotterte Jakobmit der Ungeduld einer neugierigen Gevatterin. Herr Mungo,dessen Neugier boshafterer Art, aber im vorliegenden Fallenicht geringer war, bog seine lange, hagere Gestalt vorwärtswie eine Angelrnthe, strich die grauen Locken hinter die Ohrenund hielt die hohle Hand daran, um jeden Laut anfznfangen.Martha warf ihrem Mann einen gefahrdrohenden Blick zu.Dieser aber ließ sich nicht abhalten, des Königs Gebot Ge-horsam zu leisten und berichtete: „Mein seliger Schwieger-vater war im Ganzen ein guter, sorgsamer Mann. Aber erhatte eine Ader von weltlicher Weisheit, welche zuweilen derAufrichtigkeit seines Wandels Eintrag that. Er lies; gernseine Finger zwischen seines Nächsten Habe herumspazieren,und da passivste es zuweilen, das; Etwas dran hängen blieb."
„Schäme dich!" rief Martha. „Wenn die Schande desTotsten erzählt werden soll, so las; cs kurz geschehen. — Ja,Herr von Glenvarloch, das Goldstück war nicht der einzigeKöder, welcher den unglückliche» Greis in jener schrecklichenNacht in Euer Zimmer gclvckt hat. Der Hauptzweck, den er