83
„Weckt inan in Eurem Lande die Leute auf, um zu er-fahren, vb sic schlafen oder nicht?" fragte der Knabe in ver-drießlichem Tone.
„Nein, junges Herrchen," antwortete Niger; „allein wennsie so wie du im Schlafe weinen, weckt man sie auf, um zusehen, was ihnen fehlt."
„Es kann aller Welt gleichgültig sein, zu wissen, was mirfehlt," versetzte der Knabe.
„Mag sein," erwiderte Lord Glenvarloch. „Ehe du einge-schlafen bist, wußtest du, wie wenig ich dir helfen konnte, unddennoch schienest du geneigt, Vertrauen in mich zu setzen."
„Wenn dies der Fall war, so habe ich meinen Sinn ge-ändert," versetzte das Kind.
„Und was mag wohl diese Sinnesänderung herbeigeführthaben?" fragte Lord Glenvarloch. „Es gibt Leute, die imSchlafe reden; du hast vielleicht die Gabe, im Schlafe zuhören."
„Das nicht; aber der Patriarch Joseph hat nie zuverläs-siger geträumt, als ich."
„Das wäre!" erwiderte Lord Glenvarloch. „Ei, sage mirdoch, welchen Traum hast du gehabt, der mir deine guteMeinung entzogen hat? denn das ist doch wohl der Sinndeiner Rede."
„Urtheilt selber," antwortete der Knabe. „Mir träumte,ich sei in einem milden Walde, wo Hunde bellten und Hörnerschallten, gerade wie ich es im Greenwicher Park gehörthabe."
„Das kommt daher, weil du diesen Morgen im Park ge-wesen bist, einfältiges Kind," bemerkte Nigel.
„Hört nur zu, gnädiger Herr," fuhr der junge Menschfort. „Ich ging und ging, bis ich an das Ende eines breiten
6 «