142 -
Grethchen standen die Thräncn in den Angen bei der Er-zählung ihrer leidenden Wohlthäterin, in welcher sich mancheAehnlichkeit mit ihrer eigenen Lage fand. Sie bat ihre Gön-nen» dringend, fortznfahren, allein zn gleicher Zeit schweifteihr Blick unwillkürlich nach der Thür, als wollte er einenVorwnrf über das Ansbleiben der Monna Paula ausdrücken.
Frau Hcrmione bemerkte und verzieh diesen Widerstreit.Auch ihr muß verziehen werden, daß, indem sie mit einer soausführlichen Erzählung ihr so lange gepreßtes Herz erleich-terte, sie einigermaßen vergaß, in welchem Zustande sich dasGemüth ihrer Znhörcrin befand.
„Ich glaube, ich habe dir gesagt," fuhr sic fort, „daß ei-ner der Diener mit den beiden Herren wegritt, und der an-dere bei uns blieb, wie es schien, um uns zwei Männern znübergeben, welche das von M. — ich wollte sagen, von mei-nem Gemahl — gegebene Zeichen herbeigeführt hatte. DieseMänner und der Diener wechselten einige Worte in einer mirunverständliche» Sprache- Darauf nahm der Eine mein Pferd,der Andere Paulas Pferd am Zügel und führten uns nach demLickte hin, bei dessen erstem Anblicke wir Halt gemacht hatten.Ich ergriff Paulas Hand und fühlte, daß sie zitterte, was mirsehr auffiel, da ich ihren festen, unerschrockenen, fast männ-lichen Sinn kannte.
„Als wir zu dem Feuer kamen, fanden wir um dasselbezigcunerartige Gestalten mit sonnenverbrannten Gesichtern,breitgekrämpten Hüten, Gürteln voller Pistolen und Dolche,nnd mit anderem Zubehör eines gefahrvollen unstäten Lebensgelagert. In jedem andern Augenblicke würde mich eine solcheErscheinung mit Schrecken erfüllt baden; allein in dem da-maligen empfand ich nur die Qual der Trennung von meinemGatten, die so unmittelbar meiner Befreiung gefolgt war.