105
wie in allen Nonnenklöstern, um das Nothwendige in Empfangzu nehmen. Die ganze Einrichtung war heimlich gemachtworden, denn König Heinrich möchte die Freifrau übel dafürangesehen haben, wenn er ihre Einmischung in Kirchcnange-legenheiten erfahren hätte. So verlebten die Abtissin vonS. Roqne und ihre zwei Nonnen viele Jahre, blos mit FrauFoljambe verkehrend, welche sich kraft der Gebete ihrer Gästeund der Unterstützung, welche sie ihnen gewährte, für nichtviel weniger als eine Heilige auf Erden hielt. GlücklicherWeise starb die Abtissin vor ihrer Beschützerin, und dieselebte bis weit in die Regierung Elisabeths hinein.
Der Nachfolger der Frau Foljambe in diesem Hause warein weitläufiger Verwandter von ihr, ein mürrischer, fanati-scher Ritter, welcher sich ein eben so großes Verdienst darausmachte, die Priesterinnen Baals zu vertreiben, wie seine Vor-gängerin , die Himmelsbräute zu pflegen. Bon den zwei un-glücklichen Nonnen begab sich die eine aufs Festland; die an-dere, zu alt zu einer solchen Reise, starb unter dem Dacheeiner armen gläubigen katholischen Wittwe. Herr Paul Füll-sack, nachdem er sich der Nonnen entledigt, beraubte die Ka-pelle ihrer Zierrathen und dachte darauf, die übrigen Zimmerzn verwüsten. Allein cs fiel ihm ein, daß dies unnöthige Ko-sten machen würde, da er in dem weitläufigen Hause blos dreiZimmer bewohnte, mithin die Gemächer der Nonnen nichtbrauchte. Sein Sohn war ein Verschwender. Bon ihm kaufteunser Freund Heriot das Haus, und da er, wie Herr Paul,es mehr als hinlänglich geräumig für sich fand, so ließ er dieFoljambischcn oder S. Roquischen Zimmer in dem Zustande,in welchem er sie gefunden.
Etwa dritthalb Jahre vor dem Beginn unserer Geschichteschickte Heriot vom Festlande, wohin er in Geschäften gereiset