193
Er führte eilends den Grafen durch die Hofleute hindurch,welche, wie dies an Höfen gewöhnlich ist, mit Aufmerksamkeitdiesen ungewöhnlichen Auftritt beobachteten. Der König trat inein kleines Kabinet, und hieß im ersten Augenblicke den Grafen dieThur zuschließen oder znriegeln, nahm aber diese Weisung sogleichwieder mit den Worten zurück: „Nein, nein, ich bin ein freier Kö-nig; ich will thun, was ich will und soll, ich bin jrmtuo ettensx propooiti ; indessen bleibt an der Thür für den Fall,daß Steenie in seiner tollen Laune kommen sollte."
„O armer Herr!" senfzte der Graf. „Da Ihr noch in Eu-rer kalten Heimath wäret, hattet Ihr wärmeres Blut in de»Adern!"
Der König überblickte hastig die Bittschrift, alle Augenblickeeinen Blick nach der Thür werfend und dann geschwind wieder aufdas Papier sehend: denn er schämte sich, daß Huntinglen, dener achtete, ihn im Verdacht der Furchtsamkeit haben sollte.
„Die Wahrheit zu sagen," begann er nach Durchlesung desPapiers, „das ist hart, und härter, als es mir vorgestellt wor-den ist, wiewohl ich es ahnte. Also der Junge verlangt blos dieZahlung des Geldes, welches Wir ihm schuldig sind? Aber Hunt-inglen, der Junge wird noch weitere Schulden haben, — und war-um sollte er sich mit so viel Morgen unfruchtbaren Waldbodensbeladen? Laß das Land fahren! Laß das Land fahren! Derschottische Kanzler hat cs Steenien versprochen; es ist das besteJagdrevier in Schottland — und Kindlein Karl und Steenie wol-len nächstes Jahr einen Hirsch dort schießen. — Sie mögen dasLand haben, sie mögen das Land haben, und dem jungen Mannesoll die Schuld bei Heller und Pfennig bezahlt werden, under mag das Geld an Unserm Hofe verzehren. Oder wenn er
Gerecht und standhaft.Nigelö Schicksale. I.
13