„Da! nun seid Ihr zornig," sprach Margarethe, sie zurück-haltend. „Das kommt daher, weil Ihr zur Abendzeit ausge-gangen seid, ohne Euer Nachtessen zu Euch genommen zuhaben. Ich habe nie ein schlimmes Wort von Euch gehört,wenn Ihr Euren Imbiß vollendet hattet. — Jauchen! EinenTeller und Salz für Frau Ursel! — Und was habt Ihr indem Napfe da? Trübes, dickes Bier, so wahr ich lebe. Gebtes der Jane, daß sie es znm Fenster hinansmirft, oder viel-mehr, daß sie es anfhcbt für meinen Vater znm Morgentrnnk.Sie soll Euch die Flasche Sect bringen, welche für ihn znrecht-gestellt ist; er merkt den Unterschied doch nicht, und seine stau-bigen Rechnungen lassen sich ebensowohl mit Bier wie mitWein hinunterspülen."
„Das mein' ich auch, Herzchen," sprach Frau Ursula,deren kurzes Mißvergnügen augenblicklich bei diesen Vorberei-tungen zu einem Schmause verschwand. Sie nahm Platz ineinem Sessel vor einem dreibeinigen Tische und begann mitgutem Appetit das leckere Gericht zu verspeisen, welches sicfür sich bereitet hatte. Sic lud Jungfer Margarethe dringendein, an dem Schmause Theil zu nehmen, allein diese schlugdie Einladung aus.
„Wenigstens thnt mir in einem Glase Sect Bescheid," batFra» Ursula. „Ich habe meine Großmutter sagen hören, ehe dieEvangelischen aufkameu, pflegten die alten katholischen Beicht-väter mit ihren Beichtkindern immer erst einen Becher Sect zuleeren, che es an die Beichte ging. Ihr seid mein Beichtkind."
„Ich trinke keinen Sect," entgegnete Margarethe, „undich wiederhole Euch, wenn Ihr nicht ansfindig macht, wasmir fehlt, werde ich nie das Herz haben, es selber zu sagen."
Mit diesen Worten wandte sie sich abermals von Frau Ur-sula ab und nahm ihre sinnende Stellung an, das Kinn auf