154
„Aber du weißt ja, ich habe kein Land," bemerkte der Freiherr,„wenigstens keins, auf welches ich jetzt Schulden machen könnte.Ich dächte, du hättest mich nicht daran zu erinnern brauchen."
„Das ist wahr, gnädiger Herr, sehr wahr, und dem dümm-sten Verstände ohne weitläufige Auseinandersetzung einleuch-tend. Also gnädiger Herr, wenn Meister Georg Herivt nichtetwas Weiteres außer den Besitz Eures Gutes als Grund sei-ner Freigebigkeit anznfnhren weiß, und da es ihm nicht vielnützen kann, Eures Leibes Herr zu werden, sollte er da nichtEurer Seele nachstrebcn?"
„Meiner Seele? Du Schlingel!" versetzte der Freiherr.„Was sollte ihm meine Seele nützen?"
„Was weiß ich?" entgegncte Moniplies. „Sie gehen herumwie ein brüllender Löwe — ohne Zweifel lieben sie das Futter, umdas sic so sehr toben, und — gnädiger Herr," flüsterte der Diener,„man sagt, Meister Heriot habe schon einen Geist im Hause."
„Was? willst du mich zum Besten haben?" sprach Nigel.„Ich schlage dir den Kopf ein, du besoffenes Thier."
„Besoffen?" entgegncte der treue Anhänger. „Hm! konnteich umhin, Ew- Herrlichkeit Gesundheit ans meinen bloßenKnieen zu trinken, als Meister Jan mir vertrank? Der Teufelmüßte den holen, der sich weigerte! Ich würde dem Hundsfott,der sich besinnen wollte, die Kniekehle abhanen und ihn so knienmachen, daß es ihm schwer werden sollte wieder anfznstehen.— Aber was den Geist betrifft," fuhr Richard fort, da ersah, daß sein Herr ans seine Tirade nichts erwiderte, „denhat Ew. Herrlichkeit mit eignen Augen gesehen."
„Ich habe keinen Geist gesehen," sprach Glenvarlocfi inhöchster Spannung. „Was meinst du für einen Geist?"
„Ihr habt ein Fräulein zum Gebet kommen sehen, die zukeinem Menschen ein Wort sprach und blos nickte und sich