149
kanten — nnd einen Rnbinengürtcl von kanm geringeremWcrthe.
Als diese sonderbare Gestalt in das Gemach eintrat, warfsie ihr Auge ans Nigel und blieb stehen, wie unschlüssig, obsie vorwärts gehen oder umwenden solle. Ihr Blick drucktemehr Ungewißheit nnd Zögerung, als Verschämtheit und Aengst-lichkeit ans. Tante Judith nahm sie bei der Hand und führtesie langsam vorwärts. Ihr dunkles Auge war fortwährend ansNigel geheftet mit einem Ausdruck von Schwermuth, der ihntief ergriff. Selbst als sie ans dem leeren Sitze Platz genom-men, blickte sie ihn noch mehr als ein Mal in derselben gedanken-vollen und besorgten Weise an, aber ohne eine Spur von Verlegen-heit, welche sich durch das mindeste Erröthen verrathen hätte.
Nachdem diese sonderbare Person das anfihrem Kiffen liegendeGebetbuch in die Hand genommen, schien sie ganz in Andacht versun-ken. Nigels Aufmerksamkeit ans den Gottesdienst mar durch ihr Er-scheinen so sehr gestört, daß er oft nach ihr nmsah; aber nie bemerkteer,daß sie auch nur einen Augenblick sich in ihrerAndacht unterbrach.Ihr Beispiel vermochte nicht die durch sie veranlaßte ZerstreutheitNigels zu beseitigen. Obwohl von seinem Vatermn Gottesfurchtgewöhnt, wünschte er diesmal mit Ungeduld den Schluß des Ge-betes herbei, um seine Neugier zu befriedigen. Nachdem der Got-tesdienst geendigt war und Jeder noch einige Augenblicke in stillerAndacht verharrt hatte, stand zuerst die geheimnißvolle Person auf.Nigel bemerkte, daß keiner der Diener sich rührte, bis sie sich ent-fernt hatte. Sie kniete vor Herivt nieder, welcher mit schwermü-thigem Blicke die Hand anf ihr Haupt legte und sie zu segnen schien.Sodann verbeugte sie sich, aber ohne zu knien, vor Jungfrau Ju-dith nnd wandte sich nach der Thür. Im Augenblick des Hin-anstretens warf sie einen so durchdringenden Blick auf Nigel,daß dieser unwillkürlich sich abwandte. Als er wieder nach ihr