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12 (1851) Nigels Schicksale
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Leute ihre Pflicht vergessen, so sind sie herzlichen Dank demFreunde schuldig, der sie daran erinnert."

Während sie so sprachen, nahmen die Diener die Klapp-tische weg, brachten einen Lesepnlt herbei und stellten Stuhleund legten Kniekiffen hin für den Hausherrn, für seine Schwe-ster und für den vornehmen Gast. Dicht neben Heriots Stuhlwurde ein niedriger Sitz gestellt. Nigel wollte denselben ent-nehmen, aber der Goldschmied bedeutete ihm durch einen Wink,er möge ans einem höheren Play nehmen. Der Geistliche stelltesich hinter den Lesepnlt. Die Schreiber und das zahlreicheGesinde, darunter mich Moniplies, wohnten mit Ernst derAndacht bei nnd saßen auf Bänken.

Alle hatten ihre Plätze eingenommen nnd waren, so vielman sah, zur Andacht gesammelt, als man ein leises Klopfenan der Thür vernahm. Jungfrau Judith sah ihren Bruderfragend an, und als dieser ernsthaft nickte, ging sie an dieThür, öffnete dieselbe und führte eine Person von großer Schön-heit ein, deren plötzliches und sonderbares Auftreten sie fastwie ein Gespenst erscheinen ließ. Sie war todtenbleich. KeineSpur von Farbe belebte ihre Züge, die an sich wundervoll wa-ren. Ihr langes schwarzes Haar fiel über ihre Schultern herab,sorgfältig gekämmt, aber ungeschmückt, was höchst auffallendwar in einer Zeit, wo bei allen Ständen Kopfbedeckungen üb-lich waren. Ihre Kleidung, vom einfachsten Schnitt, war weißund verhüllte ihre ganze Person, ausgenommen Gesicht, Halsund Hände. Sie war eher nyter als über der mittleren Größe,aber so fein nnd in so richtigem Verhältniß gebaut, daß dieAufmerksamkeit des Betrachters gar nicht auf ihre Größefiel. Im Gegensatz zu der sonstigen Einfachheit ihrer Trachthatte sie ein Halsband, um welches eine Herzogin sie hättebeneiden mögen, so groß und strahlend waren seine Bril-