„Ich möchte cs gern glauben, aber — Ich spreche nicht vonmeinen eignen Beschwerden; mein Vaterland hat deren, welcheunerledigt bleiben."
„Edler Herr," nahm Meister Hcriot das Wort, „ich sprechevon meinem königlichen Gebieter nicht blos mit der einem Untcr-thanen znkommenden Ehrfurcht und mit der Dankbarkeit einesbegünstigten Dieners, sondern auch mit der Offenheit eines freienund ehrlichen Schotten. Der König selber ist geneigt, die Wag-schalen der Gerechtigkeit gleich zu halten. Aber in seiner Nähesind Leute, welche unbemerkt ihre eignen selbstischen Wünscheund ihren schmutzigen Eigennutz hineinwerfen können. Ihrleidet bereits durch diesen Umstand, ohne es zu wissen."
„Ich bin erstaunt, Meister Hcriot," sprach der junge Lord,„Euch nach so kurzer Bekanntschaft sprechen zu hören, alswäret Ihr mit meinen Angelegenheiten vertrant."
„Edler Herr," erwiderte der Goldschmied, „mein Geschäftverschafft mir Zutritt im Innern des Palastes. Ich bin dafürbekannt, daß ich mich nicht in Ränke und Parteiangclegen-heiten mische, so daß noch kein Günstling sich bemüht hat, dieThür des königlichen Gemaches vor mir zu verschließen. ImGegentheil, ich habe mit Allen gut gestanden, so lange sie obenwaren, und bin in den Sturz keines Einzigen verwickelt wor-den. Aber indem ich in solcher Verbindung mit dem Hofestehe, ist es unmöglich, daß ich nicht — selbst wider meinenWillen — erfahren sollte, welche Triebfedern in Bewegungsind, und wie der Gang derselben gehemmt oder beschleunigtwird. Wenn ich also Etwas der Art wissen will, so weiß ichdie Quelle, wo die Kenntnis; zu schöpfe» ist. Ich habe Euchgesagt, warum ich an Eurem Schicksal Theil nehme. Erst ge-stern Abend habe ich erfahren, daß Ihr hier in der Stadt seid,und schon diesen Morgen auf meinem Wege hicher bin ich im