4
lebender Wissenschaft und die Lehren erneuter oder verbesserterReligion schärfer hervorheben. Der starke Gegensatz, den derWiderstand alter Sitten gegen die allmälig sie bekämpfendenneuen bildet, liefert die zu einer anregenden Erzählung nö-thigen Lichter und Schatten. Während eine solche Periodeden Dichter berechtigt, Begebenheiten von wunderbarer undunwahrscheinlicher Färbung cinzuflechtcn, als Folgen der stür-mischen Unabhängigkeit und Wildheit, der alten Gewohnheitan Gewaltthätigkeiten, die einem kaum der Barbarei entstie-genen Volke anklebt, so lassen sich auf der anderen Seite dieCharaktere und Gefühle vieler unter den handelnden Personen,ohne der Wahrscheinlichkeit Eintrag zu thun, in jener Man-nigfaltigkeit der Abschattung und Zeichnung malen, welche derkaum eingctretcnen helleren Zeit angemessen ist.
Die Regierung Jakobs I. von England bietet diesen Vor-theil in ganz besonderem Maste. Ein Abglanz des Ritterwe-scns, dessen Sonne bereits untergegangen war, erhellte undvergoldete noch den Gesichtskreis, und obwohl schwerlich Jemandstreng die Quixotischen Gebote desselben befolgte, so redetendoch noch immer Männer und Frauen in der ritterlichen Sprachevon Herrn Philipp Sidneys Arcadia. Die Förmlichkeiten desTurnierplatzes wurden noch zum Besten gegeben, obwohl dieserjetzt nur noch eine place üe tlarroussel war. Hin und wiederfand sich wohl ein Ritter vom Bad mit stolzem Muth —wie z.B.der allzu gewissenhafte Lord Herbert von Cherbnry — der sei-nem Gelübde treu genug war, um cs für Pflicht zu halten,einen andern Ritter oder einen Edelknecht mit der Schärfe deSSchwertes zur Rückgabe der einem schonen Fräulein entwende-ten Bandschlcife zu nvthigen "). Allein während manche Leute
S. Denkwürdigkeiten des Lord Herbert von kherbnry.