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Zudem wir aus der Einsamkeit den Wechsel der Dinge,der Unglücksfälle und Glücksfälle, wie aus der Ferne be-trachten, wird der Geist gefaßter. Er überläßt sich minder grenzen-losem Schmerz und ausgelassener Freude über das, was ihm alsunabänderliches Naturgesetz und Gang der Wcltordnung erscheint.Zhu reizt hier weniger das Gaukelspiel der Leidenschaften, da erdie Vergänglichkeit dessen, was Ehre, was Ruhm heißt, wahr-nimmt. Viele Widersprüche lösen sich vor seiner ruhigen Ucber-legung auf, und aus der Vernichtung der Täuschungen erhebtsich ein größeres, freieres Gemüth, das sich inniger anschließtan das Ewiggute, Ewigwahre, Ewtgschönc — an die dauer-haften Freuden der Religion.
Einsamkeit macht, durch die Empfindungen und Betrach-tungen, welche sie einflößt, den Menschen christlicher, denChristen göttlicher. Für Augenblicke gleichsam in allen Ver-bindungen mit der Welt unterbrochen, sucht der Einsame nichtmehr als sich selbst, als die Schöpfungen Gottes, als die unend-liche Gottheit! — Dies sind die feierlichsten Augenblicke — essind die Himmelsstunden aufErden! — Ganz neue Gefühleerwachen. Der Mensch, herausgerissen aus dem Lebcnsgcwühl,ist Niemandem nahe, als Gott. Er steht vor Gott, dessen Schö-pfung ihn umringt. Ein geheimer Zwang bemächtigt sich derSeele; sie muß sich zum Höchsten des Weltalls erheben. Sie mußseiner gedenken, durch den sic da ist, durch den sie sein wird. Unddieser Gedanke wird zum Gebet! Und das Gebet in der Einsam-keit, das Gebet in der freien Natur, in der Einöde des Ge-birges, in der Dunkelheit des Waldes, in der ruhigen Anmuthdes Thales, in der freundlichen Stille eines Gartens: wie ganzanders ist dieses Gebet von dem gewöhnlichen! — So betenEngel. Hier ist freies Gefühl, hier ist Inbrunst, hier Dcmuthund die Majestät Gottes größer.