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Eine beständige Abschiedenheit von der menschlichen Gesell-schaft macht den Menschen zu einem unnützen Gliede der Gesell-schaft, — macht ihn einseitig im Urtheil über die Handlungender Sterblichen; macht ihn aus Mangel gemeinnütziger Beschäf-tigung oft zum träumerischen Schwärmer; wenigstens entziehtfie ihm hundert vortreffliche Gelegenheiten, den Willen Gottesauf Erden zu vollstrcckcn. Er kann sich freilich rein halten vonden Zrrthümern der Welt; aber er sinkt dafür in die Jrrthümerder Einsamkeit. Wie überall, also auch hier, ist Uebcrtrcibungein Fehltritt.
Wir sollen die Einsamkeit suchen, ohne der Weltganz zu entsagen. Wir sollen die Einsamkeit suchen, damitwir für unser Herz neue Kräfte schöpfen, um im buntenGewühl und Lärmen des alltäglichen Lebens mit edler Selbst-ständigkeit auszudauern. — Wir sollen in geschäftlosen Stundendie Einsamkeit suchen, um uns wieder zu unserm bessernSelbst zurückzufinden, das sonst unter Zerstreuungen, Mühenund Arbeiten verloren geht, und uns fremd wird.
Die Einsamkeit ist gleichsam ein Bad der Seele, in welchemsie untertaucht und allen Unrath von sich abwäscht, der ihr ausdem gemeinen Wirkungsleben anklebt. Sie vergißt, abgesondertvon demselben, was sie bedrängt, belastet. Sie ist freier. IhreEmpfindsamkeit wird durch nichts gereizt; alle ihre Gefühle wer-den daher sanfter. Sie kommt zu sich selbst, wie in der Ruhenach einem Sturm, oder wie in der Genesung nach einem Rausche.
Wer die Einsamkeit sucht, um diese wohlthätigcn Folgen zugenießen, muß daher Alles von seinen Augen entfernen, was ihnan das Gewöhnliche wieder erinnert. Er muß sich nicht bloß inseine Kammer verschließen, sondern ganz aus dem Kreise seinesAlltagslebens hinaustretcn. Er muß nicht sein Haus, nicht seineStadt, nicht sein Dorf, sehen; — erst in der vollen Einsamkeit,
HI.