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tcrer anschen, zu anderer Zeit Alles in düsterer Gestalt erblicken,ist nicht so oft Folge unserer Grundsätze, als Folge unsers körper-lichen Wohl- oder Ucbclbefindens. Daher hat Jeder nach seinemTemperament, das heißt, nach der cigenthümlichen Reizbarkeitseiner Nerven, auch besondere Fehler, die man im gemeinenLeben mit dem Namen der Tcmperamentsfehler zu bezeichnen,oft zu entschuldigen sucht. Dadurch ist der Eine mehr zum freund-lichen Wohlwollen und Mitleiden, der Andere mehr zum Zorn,der Eine mehr zur Lebhaftigkeit in allen seinen Unternehmungen,der Andere mehr zur Bedächtlichkeit geneigt.

Diese besonder!,, durch den Körpcrzustand bewirkten Stim-mungen der Seele erzeugen daher nicht nur eine große Verschie-denheit der Meinungen und Urtheile im gewöhnlichen Leben, son-dern auch sehr verschiedene Neigungen und Denkarten. Der-gleichen aus der Beschaffenheit des Leibes erzeugte Neigungenwerden gewöhnlich bald Lieblingsncigungcn der Menschen. Mangibt sich kaum die Mühe, sie zu bekämpfen, weil sie lange ganzunschädlich und unschulvig erscheinen. Aber mit den wachsendenJahren erwachsen auch diese Neigungen allmälig zu größerer Stärke.Wer sonst nur eine leichte Neigung zur Fröhlichkeit und zuden Annehmlichkeiten des geselligen Lebens hatte, empfindet end-lich entschiedenen Hang zu Zerstreuungen und Lustbarkeiten. Alleinauch dieser Hang hat noch keine furchtbare Seite; selten, aberdoch zuweilen schon, verleiteter zu kleinen Pflichtvergefsenheiten,zur Verschwendung einer edel» Zeit, zur Vernachlässigung edlerBcrufsgeschäftc. Anfangs warnt wohl der innere Richter, oderschreckt ein Unfall. Doch verzeiht man sich gar leicht unter aller-lei Vorwänden den Fehler. Man findet wohl gar Lobrcdncr un-serer Freigebigkeit, wo wir nur Verschwender, unserer fröhlichenLaune, wo wir nur Zerstrcuungslustige waren; nennt Liebe zurGeselligkeit, wo wir Pflichten gegen Beruf, Ehre und Religion