Druckschrift 
3 (1853)
Seite
424
Einzelbild herunterladen
 

424

Er ist verloren; er weiß es, er fühlt es mit Schmerzen. Aberdie Sünde umklammert ihn zu fest. Sic stürzt sich mit ihm inden höllischen Abgrund.

Dies ist das Schicksal jedes Unglücklichen, der seine sinnlichenNeigungen zur Leidenschaft hat erwachsen lassen, die ihn zu-letzt unbezwingbar beherrscht. Dies ist das Schicksal des Ehr-süchtigen, der eine Welt verwüstet, Glück und Ruhe seiner Tageeinem Hirngespinnst opfert, welches immer fern von ihm bleibtund mit Thränen und Flüchen ihm lohnt. Dies ist das Schicksaldes Spielers, des neidischen Schadenfrohen, des Verschwenders,des Geizigen, des Diebes und des Jähzornigen. Alle sind siegleich elend, Alle gleich beklagenswürdig.

Wer hat nicht schon die furchtbare Macht der Leidenschaftenempfunden? Wer zittert nicht vor ihrer Gewalt, die unbemerktunter angenehmen Empfindungen aufkeimt, erwächst und zuletztallvcrwüstend unsere bessern Gefühle erstickt, und die letzte unsererguten Eigenschaften tödtct, wenn wir ihr nicht mit männlicherKraft zur rechten Zeit begegnen, und Religion und Vernunft inursprünglicher Hoheit zu bewahren wissen?

Woher aber entstehen die Leidenschaften im Menschen? Zeigetmir den Keim dieses Unkrauts, und ich kann mit geringerMühe vernichten; ist cs einmal erwachsen, dann vernichtet cs inseinem giftigen Schatten die Kraft meines Lebens.

Leidenschaften entstehen zum Thcil schon durch eigenthümlicheBeschaffenheit unsers Körpers, durch krankhafte Zustände desselben,ohne daß wir eigentliche Krankheiten an ihm wahrnehmcn; durchallzugroßc Reizbarkeit unserer Nerven und dergleichen mehr. -

Wir wissen, daß die innere Beschaffenheit des menschlichenLeibes großen Einfluß auf unsere Art zu empfinden und zu denkenhat. Daß wir zu einer Zeit etwas angenehm finden, was unsin andern Zeiten zuwider ist, daß wir zu einer Zeit Alles hei-