Druckschrift 
3 (1853)
Seite
420
Einzelbild herunterladen
 

- 4M -

unfähig zur Tugend. Denn Tugend entsteht erst durch den Kampfund Sieg über das Böse. Hätten wir keine vernünftige Seeleempfangen, fo wären wir nur Thiere des Feldes, ohne Fähigkeithöherer Tugend, aber auch ohne Fähigkeit zur Sünde. DennSünde entsteht erst durch das Widerstreben gegen Gewissen undUeberzeugung des Bessern.

Was an uns fleischlich ist, oder irdisch, das zieht uns unauf-hörlich zum Genuß der irdischen Lust, die nur durch den Leibempfunden, wird. Was an uns Geist ist, das strebt zum Heiligenund Göttlichen hinauf, und sehnt sich nach dem Ewigen, weil esihm verwandt ist.

Darum sagt Paulus: Fleischlich gesinnt sein, ist der Tod;und geistlich gesinnt sein, ist Leben und Friede; denn fleischlichgesinnt sein, ist eine Feindschaft wider Gott, sintemal cs demGesetz Gottes nicht unterthan ist; denn cs vermag es auch nicht.Die aber fleischlich sind (das heißt, die in ihrer Denkart undLcbensbcschäftigung sich mehr dem Thiere nähern, als dem Engel),die mögen Gott nicht gefallen. (Röm. 8, 6 8.)

Die Quelle aller guten Neigungen ist also in unscrm Geiste;die Quelle aller bösen Ncigimgen ist in unscrm Fleisch, das ist,in unserer Sinnlichkeit.

Die Sinnlichkeit aber, als das wahrhafte Thicrische an undin uns, soll dem Geiste unterthan sein; so wie der Himmel dieErde, und wie der Gedanke den Leib und seine Bewegungenregiert. Ist aber der Geist ein Unterthan des Leibes und derBegierden thicrischcr Art, so hat er seinen göttlichen Ursprungvcrläugnct, so hat er den erhabenem Bestimmungen in einer un-sterblichen Fortdauer entsagt: er ist Sünder.

Was ist Sinnlichkeit? Es ist die Neigung zu Allem,was uns angenehme Empfindungen durch die Sinne erzeugt.Das Wohlgefallen an äußern Ehrenbezeugungen, an Reichthum