auslcgcrn nicht rccht verstanden werden konnten, weil sic nichtmit der Ordnung und Bezeichnung gewisser Vorstellungen dama-liger Zeiten rccht bekannt waren, gaben zu jenen Untersuchungenvorzüglichen Anlaß. Allein die Erfahrung hat bewiesen, daß dieseSpitzfindigkeiten zuletzt wenig Heil brachten; daß die Menschendurch das Hin- und Herwälzcn solcher Streitfragen um nichtsbesser wurden, daß hingegen Christum lieb haben, das heißt,das Halten und Erfüllen seiner Gebote,-besser sei, denn allesWissen.
Auch weiß ich ja, Zesus, der göttliche Stifter unscrs heiligenGlaubens, hat niemals auf solche Dinge des Zweifclns undForschens einen hohen Werth gesetzt. Nur seine Apostel, undbesonders der Gelehrte Paulus, waren zuweilen gcnöthigt, um-ständlicher über solche Streitfragen zu reden, und sogar im Geisteder heidnischen und jüdischen Gelehrten und Schriftgclchrtcn zusprechen, um von ihnen verstanden zu werden, um sic auf dieihnen eigenthümlichc Art zum Glauben an die Lehre Jesu zubewegen. Zch bin Allen allerlei worden, schrieb daher der ApostelPaulus, ans daß ich Viele gewänne, Viele zu Zesu brächte!
Was ich an mir seit meinen Zugendtagen, und was ich anandern Kindern beobachtet habe, ist: daß kein Mensch, er gehörezu welcher Religion, zu welchem Lande, zu welchem Volke erwolle, so ganz verderbt sei, daß er nicht seine Fähigkeiten undNeigungen zum Guten hätte. Eben so bezeugt es mir die all-tägliche Erfahrung: daß kein Mensch, selbst in den Tagen derunschuldigen Kindheit, so ganz gut sei, daß er nicht auch Fähig-keiten und Neigungen zum Bösen hätte.
Schon diese Erfahrung, welche Jedermann an sich und Andernzu machen Gelegenheit hat, beweiset: daß diejenigen eben so sehrirren, welche behaupten, der Mensch wäre von Natur gut, alsdiejenigen irren, welche darzuthun vermeinen, der Mensch wäre