Sollte man nicht beinahe in Versuchung kommen, allen fernem nütz-lichen Vorsätzen zu entsagen; sich auf sich selbst zurückzuztehen, unddie breite Straße des gemeinen Menschenhaufens mitzugehen; sichum Keinen, als um sich selbst zu bekümmern, und gleichgültig beanderer Leute Wohl und Wehe zu bleiben?
Zn der That ist es schmerzhaft, mit seinem guten Willen soallein dazustehcn, und in seinen allerbesten Absichten verkannt zuwerden; cs ist kränkend, Alles, was man thut, übel ausgclegtzu sehen, und von der Bosheit elender Menschen, von der Un-wissenheit des großen Haufens, von dem Eigennutz und Stolzder Angesehenen bei jedem Schritt gehindert zu werden, den manzu einem wohlthätigen Ziele machen will. Es ist schmerzhaft,Augenzeuge zu sein, wie der, welcher nichts anderes thut, alsfür sich selber sorgen, oder wie der, welcher lachen würde, wennman ihn aufforderte, zum Besten Anderer ein beträchtliches Opferzu bringen, gar ruhig und unangefochten lebt; gewöhnlich Lobund Beifall für nichts einärntet, und Andern hoch anrechnct,was ihn nichts kostete. Es ist schmerzhaft, zu sehen, wie derNiederträchtige sich emporschmeichelt; wie er mit Glück fremdesVerdienst hcrabwürdigt, um seine Gemeinheit geltend zu machen;wie er sich ohne Ehrgefühl, auf den verächtlichsten Wegen, mitden schimpflichsten Mitteln Partei, Anhang, Freunde, Gönner-schaft erwirbt. — Ist dies der Weg, in der Welt etwas zugelten und zu leisten?
Warum aber kränkst du dich deswegen? Möchtest du wohlin den Reihen derjenigen stehen, die sich durch Niederträchtigkeitenauszeichncn und erheben? Laß doch Andere schlecht sein; aberdu sei gut. Dein Loos ist das Loos der meisten rechtschaffenenLeute, die nicht mit der Welt, wie sie nun einmal ist? gemeineSache machen, sondern ihren eigenen Weg gehen wollen. Dirgibt dein Gewissen ein besseres Zcugniß, als die Menschen geben