394
Freiheit des Thuns, welche dir selbst so lieb ist, wenn du siegenießen kannst. Und wenn du auch bei deinem Nachbar, beideinem Bekannten mancherlei wahrnähmest, was allenfalls deinenBeifall nicht erregen könnte: lerne schweigen, und werde nichtVerräther und Ausplauderer von Dingen, die Keinem nützen zuwissen. Sprich nicht von ihnen, selbst nicht gegen deine Ver-trautesten. Nichts wird leichter zu einer unseligen Gewohnheit,als diese unanständige Mittheilungsbcgierde, die der erste Schrittzur lasterhaften Geschwätzigkeit, zur Tadclsucht und Verleumdungwird.
Alles, was ihr thut mit Worten oder mit Werken, das thutAlles in rem Namen des Herrn Jesu, und danket Gott und demVater durch ihn! (Kol. 3, 17.)
Ach, wie leicht kann auch ich schon oft durch unüberlegte Ur-theilc über des Nächsten Thun und Lassen gefehlt haben! Vaterim Himmel, Vergelter jedes Unrechts, ernster Richter jeder Sünde,vergib! Vergib mir diese Sünde, die ich von Herzen bereue.Ich empfinde es, wie lieblos, wie schändlich ich gehandelt habe!O vergib, wenn irgendwo eines meiner unbedachtsam ausge-stoßencn Worte in Andern die Achtung minderte, die fie sonstfür irgend einen ihrer Brüder hatten. Vergib, wenn meine un-besonnenen Reden irgend einem meiner Mitcrschaffenen nur einenmißvergnügten Augenblick, nur eine Thräne verursachten!
Ich will von heute an strenger über mich selbst wachen, undmeine Gedanken hüten und meine Lippen bewahren vor dem,was ungerecht und böse ist, und Dir und allen Edelu untermeinen Brüdern mißfällt. Denn Du, Gott, bist kein Gott derLästerer, der Spötter und der Störer häuslichen Glückes, son-dern ein Gott der Frommen, welche den Menschen lieben, wieJesus geliebt hat, Amen.