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hält dann die Neigung, sich von den Schwächen, Blößen undLächerlichkeiten des Nächsten zu unterhalten, für eine der unschul-digsten Freuden des gesellschaftlichen Lebens. Man verschönertdie ekelhafte Sünde mit bessern Namen; hält sie für Theilnahmcam Wohl und Wehe der Mitmenschen; hält sie für Uebungcndes Witzes, für harmlose Scherze. Genug, die Sünde schmücktsich, um nicht durch ihre Häßlichkeit vor sich selber zu erschrecken.
Allein vergebens! Wer scherzend und tändelnd mit grausamemVergnügen seinem Bruder den tödtenden Dolch ins Herz flößt:ist der weniger ein Mörder, als derjenige, welcher cs im Rausche,im Wahnsinn des Zornes thut? — Wer scherzend, witzig, sogargeistreich, nur zur gesellschaftlichen Unterhaltung, nur um sichangenehm oder wichtig zu machen, durch hämische Bemerkungen,durch Ausplaudern häuslicher Heimlichkeiten, durch Verdächtige»gewisser Handlungen und Umstände die Achtung für einen seinerMitbürger im geringsten vermindert: ist der weniger ein gefühl-loser Verleumder, als der, welcher das Gleiche thut, von Neidoder schadenfrohem Haß entflammt? Ehrenmördcr, Verleumdersind beide, vor dem allgerechtcn Gott, wie vor dem Urtheiledlerer Menschen! Beiden gilt in gleich furchtbarem Ernste diewarnende Stimme des göttlichen Wortes: „Lasset kein faulGeschwätz aus cucrm Munde gehen; sondern was nützlich zurBesserung ist, da es noth thut, daß es holdselig sei zu hören!"(Ephes. 4, 29.)
Beide stiften durch ihre Lieblosigkeit Unfrieden, gegenseitigeVerachtung und Geringschätzung. Es ist Verleumdung das Gift,welches die Eintracht zwischen den Gliedern der Gemeinde auf-löset, daß sie alle einzeln dastehen, und keines dem andern auf-richtig zugethan ist. Die Zunge des lächelnden Lästerers ist dasSchwert, welches so viele Herzen schied, die sich einst zärtlich