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3 (1853)
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desto größer zu erscheinen. Sic tadeln, um zu zeigen, daß sicvon solchen Mängeln nichts an sich haben. Sie setzen herab,um sich erheben zu können, ohne offenbares Sclbstlob. Sie spot-ten , um von schwachen Leuten gefürchtet oder bewundert zu wer-den. Sie reden von den Heimlichkeiten der Familien, um sichwichtig zu machen, weil sie fühlen, daß sie sonst zu arm anHilfsmitteln sind, um einige Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.Sic plaudern unbesonnen und eifrig alles Gehörte wieder aus,und machen sich ans Horchen und Wiedcrsagen ein Verdienst,um sich bei Neugierigen in Ansehen zu setzen, und bei kleinenSeelen beliebt zu machen.

Zuweilen ist cs bloße Ncuigkeitssucht, Mangel an edlererBeschäftigung des Geistes, was die Menschen von schlechter Er-ziehung oder lockern Grundsätzen anspornt, die Worte und ThatenAnderer anszuforschcn, daö Geringste, was in Häusern geschieht,in Erfahrung zu bringen, um dann darüber zu brüten und zuurthcilcu, und, wenn cS die Gelegenheit mit sich bringt, auchwohl darüber zu lästern.

Immer aber ist dieses Uebcl ein unverwerfliches Zcugnißvom Mangel eines richtigen Verstandes; Zeugniß vonder Abwesenheit eines ächtchristlichcn, cdeln Gemüths. Aus Mangelrichtigen Verstandes gehen oft so viele unbesonnene, voreiligeReden hervor, welche der Ehre des Nächsten zu nahe treten.Aus Mangel richtig gebildeten Verstandes sucht man in demWicdererzählen dessen, was Andere gethan, Stoff zur gesellschaft-lichen Unterhaltung, und in der Verkündigung unschädlich schei-nender Familicnhcimlichkciten ein Vergnügen.

Dieser Hang kann endlich zur herrschenden Gewohnheitwerden, und wird dann im vollen Sinn des Wortes zum La-ster zum Laster der Verleumdung, oder der ihr verwandtenKlatschsucht; ein Name, unedel, wie die Sache selbst! Man