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Gott selbst gab das Urbild dcr Vollkommenheit und die HobeLiebe desselben jeglichem Geiste, nicht daß er nach demselben dieWelt ändere, sondern sich selbst. So erforsche denn dich zuvor,was dir fehlt, um in deiner Lage und in allen Beziehungen derVollkommenste zu sein. Suche erst dich sclbst zu veredeln, chedu an Andere die Forderung machst, daß sic deiner Vorstellungvon Vollkommenheiten entsprechen. Verachte darum Niemanden,weil er nicht ist, was er sein könnte; denn auch du bist nicht,was du in deinen häuslichen und bürgerlichen Verhältnissen, indeinen Bernfsgcschäftcn, in deinen freundschaftlichen Verbindun-gen, in dem weiten Kreise dcr Christenpflicht, sein solltest. Auchin dir wohnen mehr Fähigkeiten und Kräfte, als du mit Weis-heit zum Besten deiner Umgebungen anzuwcnden weißt. DieWelt, die ganze Menschheit wird dir vortrefflich zu sein schei-nen, wenn du selbst vortrefflich bist, und drin Gemiith, fernvon Eigendünkel, anfhört, der Tummelplatz kleinlicher Leiden-schaften und betäubender Gefühle zu sein, sondern nur Liebe undnichts als Liebe zur Menschheit ist.
So warst Du, Gottessohn, Wcltcrlöscr, die Liebe sclbst. Duverkanntest die Welt nicht, aber sic verkannte Dich. Du sähestum Dich her Bosheit, die Dich hassen mußte; Trägheit, der Dugleichgültig bliebst; Leichtsinn, der Dir anhing, um Dich wiederzu verlassen; Schwachheit, die nicht Muth hatte, Dir zu folgen;Blödsinn, der Dein erhabenes Ziel nicht begriff: und dennochliebtest Du alle mit gleicher Zärtlichkeit, und Deine Liebe über-wand die Welt. Wie die Sonne wandelt durch Regenschauerund in reiner Himmelsbläue, liebend, segnend, unaufhaltsamihre Bahn, wohlthätige Strahlen sendend auf das Feld desReichen und des Armen, des Gerechten und des Misscthäters:so warst Du, mein Heiland, Urbild stiller, göttlicher Größe!Dir will ich nachwandeln; leben, wirken, wie Du, nach meiner