Druckschrift 
3 (1853)
Seite
378
Einzelbild herunterladen
 

378

geisterung nie zweifeln läßt. Die Güte ihrer Absichten scheintihnen auch das Glück derselben zu verbürgen. Ihrem innigen,ihr ganzes Wesen erfüllenden Wunsch scheint nichts unmöglich,und das Schwerste ausführbar. Sie stiften wohlthätige Anstalten,und träumen sich von denselben nur unvergängliche oder dock-lange Dauer, ohne zu erwägen, wie mancherlei Unfälle dazwischentreten können, die deren Werth mindern, deren Zweck vereiteln.Sie stiften Gesellschaften zu vortrefflichen Zwecken, aber trauenden Gliedern die gleiche Begeisterung zu, in welcher sie selberathmen, und muthcn ihnen mehr Thätigkeit zu, als dieselbenbei ihren anderweitigen Pflichten und Verhältnissen anwendendürfen und können. Ihre Unbekanntschaft mit den verschiedenenNeigungen, Interessen, Leidenschaften und besondern Zielen allereinzelnen Personen, Familien und Staaten, wird immer selbstdas erste und wichtigste Zerstörungsmittel ihrer gutgemeintenAnschläge. Sie möchten Alles verbessern, Alles auf den Gipfelder Vollkommenheit erheben, davon sie vor sich das Urbild schwe-ben sehen: die Erziehung der Menschheit, die Einrichtung derStaaten, die Sitten der Völker, die Eintracht der Kircheund versäumen über das Allerbeste, was sie fordern, das Nütz-liche und Gute, was schon vorhanden ist.

Ungerechnet, daß dem menschlichen Geschlecht durch die kühnenVerbesserungsversuche solcher wohldenkenden, aber mit der Wirk-lichkeit allzuunbekanntcn Eiferer vielerlei Elend erwachsen ist, mußschon die vergebliche Verschwendung von Zeit und Kräften zurAusführung an sich unausführbarer Entwürfe mit Recht getadeltwerden. Die nothwendige Unzufriedenheit, welche in uns gegendie Welt entstehen nmß, die für unsere hohen und kühnen Ge-danken keine Empfänglichkeit zu haben scheint, selbst der allmäligsich aus dem beständigen Mißlingen unserer menschenfreundlich-sten Absichten entwickelnde Menschenhaß, muß uns endlich lehren,