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Vollkommenen ist ein Fehler, der gewöhnlich bei den edelgesinn-testen, gutmütigsten, oft bei den geistvollsten Personen am häu-figsten wahrgcnommen wird, die mit der Erkenntniß dessen, wassein sollte, eine lebendige Einbildungskraft, einen starken Willenvereinigen. Solche Gcmüthseigenschaften find besonders der Ju-gend eigen. Daher ist auch nichts gemeiner, als daß jungeLeute sich beständig selbst täuschen in ihren Urtheilcn über dieWelt; keine ruhige Mittclstraße zu halten wissen; immer voneinem Außenende zum entgegengesetzten übertaumcln; den, derihnen gefällt, für einen Engel, den, der ihnen mißfällt, für einenTeufel halten; in Allem sogleich das Herrlichste oder das Ge-meinste finden, die gesammte Menschheit verbessern oder beglückenmöchten; von allen Leuten fordern, daß sie mit gleichem Feuer-eifer sich ihrer Sache annehmen, und zuletzt Alles verdammen,was nicht mit ihnen übereinstimmend wünscht und wirkt. Sieleben nur unter ihren erhabenen Vorstellungen, unter ihren Urbil-dern des Schönen und Guten; unbekannt mit der Wirklichkeit»verachten fie Alles, was ihnen nicht entspricht, oder sie vergöt-tern mit schwärmerischer Liebe, was denselben ähnlich zu seinscheint. Solche fehlerhafte Stimmung bleibt aber oft bis insspätere Alter herrschend, wenn besonders bei Personen die Ein-bildungskraft ein unmäßiges Uebergewicht gegen den prüfendenVerstand gewonnen hat, wo fie dann zwar immer im Geiste ihrZiel sehen, aber unfähig bleiben, die dazu tauglichsten Mittelund Wege in der wirklichen Welt zu würdigen.
Schwebte jemals irgend Jemandem daö Urbild des Vollkom-mensten vor; hat jemals Einer den kühnsten Entwurf zur Beförde-rung des allgemeinen Wohls gefaßt, und zur Verbesserung derWelt den Ungeheuern Plan mit tiefster Liebe gefühlt, mit demstärksten Willen ausgeführt, so war cs Christus Jesus. Werkam ihm je gleich? Aber bei seinem göttlich großen Ziel, und