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3 (1853)
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Gott selbst gab uns dasselbe. Es sollte unsere Leuchte seinin der Finsternis'. Er gab es, daß Jeder wisse, wohin er solle,was er leisten müsse. Er gab cs Jedem zur richtigen Bcurthei-lung seiner eigenen inncrn Welt, nicht, um darnach dieäußere Welt zu richten. Denn die Mannigfaltigkeit von denErscheinungen in dieser letztem kann uns oft verwirren. Wasich selbst bin, und wie ich selbst sein soll, das weiß ich bei einigerSelbstbeobachtung sehr leicht. Aber was andere Menschen wirk-lich sind, und wie die Welt wohl sein sollte, dies ist nicht soleicht zu entscheiden. Dazu gehört eine ausgebreitete Erfahrungdes Lebens und seiner Verhältnisse; eine Weltkenntnis, die nurin einer langem Reihe von Jahren erworben werden kann; eingeübter Blick, der nach mancher wahrgcnommenen Täuschungden Schein endlich vom Wesentlichen zu unterscheiden fähig ist.Junge, unbescheidene Lcitte, welche sich Urtheile über die Welt,bei aller ihrer Unkundc des menschlichen Herzens erlauben, pflegendaher übereilt und vorschnell abzusprcchen. Erfahrnere, einsicht-vollere Personen urtheilen mit größerer Umsicht, und eben darumbedächtiger.

Die Anwendung der Urbilder des Vollkommenen und Gutenauf das wirkliche Leben ist manchem Mißbrauch unterworfen.Dieser Mißbrauch kann auf doppelte Art geschehen, entwederindem man seine eigenen Vorstellungen von menschlicher Seelen-güte und Vollkommenheit, oder menschlicher Verworfenheit mitder Wirklichkeit verwechselt; oder indem man, ohne Berück-sichtigung der verschiedenen Anlagen und Denkarten der Sterb-lichen, ohne ihre mannigfaltigen Verhältnisse, Gemüthsstimmun-gen und Ansichten in Anschlag zu bringen, sich vorsetzt, vermit-telst ihrer ein uns vorschwebendcs Bild der Vollkommenheit indem wirklichen Leben zur That zu machen und auszuführen.

Dieser Mißbrauch von den in uns wohnenden Urbildern des