Druckschrift 
3 (1853)
Seite
367
Einzelbild herunterladen
 

stellungen hüten, welche man sich von Weltvcrläugnung macht.Wir wandeln noch in unserm sterblichen Leibe; dieser Leib hatnoch seine Bedürfnisse, die nach dem Willen des Schöpfers be-friedigt werden müssen, wenn wir nicht selbstmörderisch verfahrenwollen; bis zum letzten Augenblick des Lebens fordert nach ewigenGesetzen der Natur das sinnliche Leben seine Genugtuung. Unsereaus Fleisch und Blut hcrvorgehcndcn Triebe und Neigungen, in-sofern sie zur Lebenserhaltung und Bewahrung der körperlichenGesundheit abziclen, sind keineswegs sündlich, sondern rein undgut. Aber sehr leicht machen wir wieder durch Ueberreiznng oderallzuhänsigc Befriedigung eine dieser Neigungen zu herrschend;daraus entspringt wieder Leidenschaft des Gemüths, und damitwieder ein unmäßiges Hangen, an irgend einem vergänglichenGegenstand.

Der Mensch ist folglich, so lange er lebt, in einem beständi-gen Hinncigcn zum Sinnlichen und Wiederzurückstoßen desselben.Er zerbricht, was ihn zu stark fesselt, und knüpft sich neue Bande.Er wird nie ganz frei, und doch ist sein immerwährendes Streben,frei vom Einflüsse des Sinnlichen zu werden. Auch in der letztenseiner Stunden wird er noch mit Paulus sagen: Nicht daßich es schon ergriffen habe, oder schon vollkommen sei!

Aber eins sage ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und streckemich zu dem, was davoruen ist. Ich ehre die Einrichtungen undBedürfnisse des Lebens von außen, aber mein höheres Leben, dasWandeln in Gott, das tugendhafte Wirken und Wollen, richtetsich über alles Vergängliche auf. Ich beherrsche meine Nei-gungen, meine Liebe, meinen Widerwillen, und lasse mich nichtvon ihnen beherrschen. Ich thue, was recht, was Jedem nützlich,was edel ist, so sehr sich auch vielleicht demselben meine andern Be-gierden widersetzen. Nicht menschlicher Beifall, nicht das Lob derMitbürger, nicht der Tadel des großen Haufens, nicht Ehrbegicr,