Druckschrift 
3 (1853)
Seite
363
Einzelbild herunterladen
 

hüllt sich in seine Pracht und nimmt den gebietenden Scepter;aber auch auf dem Thron, mitten im Gefühl seiner Hoheit,durchzuckt ihn unwillkürlich der Gedanke an die Ewigkeit.Was Alle verschweigen, daran denken Alle. Der Schein ist vollaußen; die Wahrheit im Herzen verborgen und heimlich.

Und so knüpft Jeglicher sein äußeres Leben still an sein in-neres, und sagt Niemandem davon. Jeder hat den Glauben anGott und Ewigkeit; aber wie er ihn hat und bewahrt, das istsein eigenes, tiefes Gcheimniß. Da findet nur zwischen ihm undder Gottheit Mitthcilung und Offenbarung und Zuversicht statt.Da fürchtet Jeder, würde er sei» Allcrgeheimstcs dem Andernoffenbaren, er könnte es entweihen; und jeder, auch der zartesteEinwurf würde ihn verwunden, ohne daß er ihn zu widerlegenNeigung hätte. Denn das, was wir in unscrm Innersten glau-ben und in unserm Innersten sind, das sind wir wirklichselbst; daran mögen wir kein fremdes Auge und keinen fremdenZweifel rühren lassen. Alles, was wir nach außen hin gegendie Welt sind, ist nur Klugheit und Schein. Das weiß Einervom Andern, und Jeder ehrt des Andern Gcheimniß, und da-neben noch seinen Schein, weil er das Gleiche für sich von allenUebrigcn fordert.

Es ist gar nicht nöthig, dem Menschen zu sagen, er lebeschon hicnicdcn ein zweifaches Leben. Er lebt cs ja wirklich,und weiß cs von sich.

Nur die Verbindung dieser zweierlei Leben ist bei Allen ver-schieden, nach den Graden ihrer geistigen Ausbildung. DemEinen hat das irdische, sinnliche Dasein mehr Werth, als seinInneres und Ewiges; dem Andern stehen beide im Range gleich;der Dritte fühlt klar, daß der Werth des Erdenlebens tief unterdem des ewigen sei.

Der rohe Wilde, welcher noch mit unentsalteten Kräften der