Druckschrift 
3 (1853)
Seite
362
Einzelbild herunterladen
 

362

gehen sie zum Grabe und hinterlasscn Andern die Frucht ihrerMühen; wie sic sich über Erbschaften von ihren verstorbenen Ver-wandten gefreut haben, so freuen sich nun Andere über den Ge-winn ihrer Hinterlassenschaft.

Betrachtet inan das Spielen und Tgndcln, das'Wirken undSchaffen der Menschen, man sollte glauben, es wäre kein Todin der Welt. Und sehen sie Kinder, Jungfrauen, Jünglinge,Männer und Greise aus dem Leben scheiden, so ist es, als wennnur diese sterblich gewesen, alle Ucbcrlcbendcn aber Unsterblichewären. Sic gehen weinend oder lächelnd von den Gräbern derFreunde oder Bekannten zurück, und vergessen der Todtcn; sowie die Krieger im Schlachtfeld links und rechts in den Reihendes Heeres ihre Gefährten gleichgültig fallen sehen, und Siegjauchzen, als wäre der Sieg von ihnen allein erfochten.

Man spricht vom Frieden, vom Krieg, vom Theilen der Län-der und Völker, von eigenen Entwürfen, von gelungenen undmißlungenen Arbeiten, von Festen und Lustbarkeiten, von Feind-schaften, Heirathen, Reisen, von Allem. Wer hört eben soin Gesellschaften, oder unter Zweien und Dreien von der Ewig-keit sprechen? Glauben sollte man fast, der Gedanke an dieEwigkeit sei ein weggcworfenes Mährchcn, welches Keiner mehrmöge erzählen hören, oder er sei gar nicht in dem Sterblichenvorhanden. Und doch dies Alles ist nur äußerer Schein. Nein,die Menschen schweigen nur von dem, was vor ihnen dasteht;aber ernst und finster ist ihr innerer Blick fast ununterbrochendahin gerichtet. Sie schweigen und glauben; sie lächeln vielleichtbei dem Worte zweifelhaft, aber glauben und zittern. Die Jung-frau schmückt sich zum Tanz; aber auch vor dem Spiegel fliegtder Gedanke an das Grab durch ihre Seele. Der gewerbfleißigeMann überrechnet seinen Gewinn; aber unter dem Klange desGeldes erhebt sich der Gedanke an die Todesstunde. Der Fürst