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Gott gefällt? Hast du dabei mir dich, hast du nicht auch dasWohl deiner Brüder im Auge?
Die Klugheit wählt die sichersten und schicklichsten Mittel, umihr Ziel zu erreichen. Aber die Weisheit spricht: Wähle keineschändlichen Mittel, deren du dich zu schämen hättest! Wählekein Mittel, das du tadeln würdest, wenn du es bei Andernwahrnähmest! Drücke die Hausarmeu nicht mit schmählichemWucher, damit du Bettlern reiche Almosen geben könnest; lüge,heuchle und schmeichle nicht, um dir die Gewogenheit Jemandeszu erwerben; verleumde nicht einen deiner Mitbürger, um dir inder Meinung der übrigen ein Ansehen zu verschaffen.
Dies ist also der wichtige Unterschied zwischen derKlugheit und Weisheit. Jene gründet sich auf den Ver-stand, diese auf die Wahrheiten der Vernunft. Jene ändert ihreHandlungsweise nach den Umständen; diese bleibt sich zu allenZeiten und an allen Orten gleich, weil sie nur das will, was rechtist. — Jene schöpft ihre Kraft aus vielen Erfahrungen im Leben,diese aus den Ucbcrzcugungcn der Vernunft, aus der Erkenntnißdes göttlichen Willens, wie ihn Jesus uns geoffenbarct hat. Jenebringt kurze, vorübergehende Vortheile; diese aber gewährt unsbleibendes Glück, nämlich innere Zufriedenheit, Seelenruhe, Ach-tung für uns selbst, freudigen Hinblick auf Gott und Ewigkeit.Jene ist für die Erde, diese für den Himmel sorgend.
Klugheit und Weisheit — welcher von beiden also sollder Sterbliche den Vorzug gebe»? Sind sic nicht beide Gottcs-gabcn, dem Menschen zu seinem Wohl verliehen? Er soll dieeine nicht ohne die andere üben; er soll sie nie trennen. Seinklug, sagte Jesus zu den Scinigcn: seid klug, wie die Schlan-gen, aber ohne Falsch, wie die Tauben!
Jetzt erst wird mir die Tiefe und Wahrheit des Sinnes klar,der in dielen Worten meines göttlichen Meisters ausgesprochen