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nicht verstehen: Seid klug, wie die Schlangen, und ohne Falsch,wie die Tauben!
Der größte Theil der Sterblichen, wenig bekümmert um gött-liche Weisheit, jagt mehr dem Ruhm der Klugheit nach. Weni-gen fällt bei ihren Unternehmungen ein, zu fragen: Erfülle ichdamit auch Gottes Willen? Ist das, was ich thun will, auchder Nutzen meiner Mitmenschen? Habe ich damit auch das Wohlmeines Nächsten eben so sehr im Auge, als meinen eigenen Vor-theil? Handle ich bloß aus Neid, aus Habsucht, aus unreinerBegierde, aus geheimem Haß gegen diesen oder jenen, ausStolz, aus Herrschsucht? — Versäume ich nicht vielleicht größerePflichten, wenn ich dies oder jenes thue? — Wenige fragen so.Wohl aber denken die Meisten darauf, durch welche Mittel siezu ihrer Absicht am geschwindesten gelangen mögen, auf welchenWegen sie ihr erwünschtes Ziel am sichersten erreichen. Ob unterdiesen Hilfsmitteln denn auch eine Lüge, ein Betrug, eine bos-hafte Hinterlist, eine Unredlichkeit mit unterlaufe, dies ist ziem-lich gleichgültig; dies verzeihen sic sich gern. Es ist ihnen sogarschmeichelhaft, wenn man von ihnen sagt: Er hat es klug ange-fangen, man kann zwar nicht Alles billigen, was er gebrauchte,um seinen Plan durchzusctzen: aber er hat ihn doch mit Klugheitdurchgesetzt; er hat sein Ziel erreicht; gleichviel ist es ihm nun,wie und auf was für Art! —
Ach nein, es ist nicht gleichviel! Nein, die dich loben, habenauch dein Berdammungsurtheil ausgesprochen. Sie ehren deinenVerstand, deine Vorsicht, deine Geschicklichkeit in Behandlungdeiner Geschäfte, aber sie verabscheuen deine Gewissenlosigkeit,die Unredlichkeit mancher deiner Mittel. Du hast dein Ziel ge-wonnen, aber das Zutrauen, die offene Liebe deiner Mitbürgerfür immer verloren. Wer einmal betrog, dem traut man niewieder. Du hörst cs nicht, wie man hinter deinem Lobe auch