des Ehrgeizigen, des Wollüstlings, des Trunkenbolds; sie ver-achteten den Stolz und die Thorheit des Geizes, die Unersätt-lichkeit der Habsucht und die Schändlichkeit des überall für sichrechnenden Eigennutzes. Doch alle diese Tugenden waren nochkeine Christentugcnd.
Jesus forderte vom Menschen mehr. Er forderte die Aehn-lichwerdung Gottes; er forderte eine Seclcngröße, fo weitder Sterbliche auf Erden ihrer fähig ist.
Nicht genug, sprach er, ist's, seinen Zorn zu mäßigen; nein,liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; thut wohl denen,die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen;auf daß ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel. Denn erlasset seine Sonne aufgchcn über die Bösen und über die Guten,und lasset regnen über Gerechte und Ungerechte. Denn fo ihrliebet, die euch lieben, was werdet ihr für Lohn haben? Thunnicht dasselbe auch die Zöllner (Heiden)? Und so ihr auch nurzu eucrn Brüdern freundlich thut, was thut ihr Sonderliches?Thun nicht die Zöllner (Heiden) auch also? Darum sollet ihrvollkommen sein, gleichwie euer Vater im Himmel vollkommenist. (Matth. 5, 44-48.)
Dies ist die Geistcshoheit, welche der Himmlische von unsfordert. Nicht genug, daß wir uns so vollkommen selbst beherr-schen, daß unsere Neigungen und Gefühle uns zu keinem un-rechten Schritt verleiten, sollen wir sogar Segen und Wohl-sein um uns her verbreiten, so weit wir reichen können.Nicht der ist schon tugendhaft, welcher sich so in seiner Gewalthat, daß er nie eine Pflicht verletzt und vernachlässigt; sondernder ist's, der ohne Rücksicht auf äußere Verhältnisse, ohne An-sehen der Personen Gutes thut, und die allgemeine Glückselig-keit vermehrt, ja selbst das Glück seiner Feinde.
Dies ist die christliche Scelcngrößc, dies der Gipfel irdischer