ständen sie Alles besser, denn die Vorgesetzten. Man hält dieseTadelsucht für Freimiithigkeit; sic ist aber gewöhnlich nichts, alsder Erguß eines unreinen Herzens. Der frcimüthige Mann sprichtnur die Wahrheit aus, wo er überzeugt ist, durch sie wahrhaftnützen zu können; nicht aber an Orten und zu Menschen, wo dieObrigkeit davon nichts erfahren kann, und wo man nichts An-deres bewirkt, als die nöthige Ehrfurcht gegen Gesetz und Obrig-keit »iedcrzureißcn. Der frcimüthige Mann bringt seinen Tadeloffen und an die rechte Behörde; nicht hinterrücks, nicht ehe er über-zeugt ist von der Nichtigkeit seines gefällten Urtheils. Der frei-müthige Mann redet sein Wort zur rechten Zeit am rechten Orte,weil er dem gemeinen Wesen dann wohlzuthun und Hilfe zu ver-schaffen hofft; aber er redet nicht aus Privathaß gegen einzelneBeamte, aus boshafter Rachsucht. ES ist zwischen dem Frei-müthigcu und dem Lästerer ein so großer Unterschied, wie zwischendem Muthc der Tugend und der Frechheit des heimtückischen Ver-leumders.
Entrichte mit pünktlicher Gewissenhaftigkeit diegesetzlichen Abgaben, selbst wenn du, ohne Furchtentdeckt zu werden, die Regierung um das Ganzeoder einen Theil derselben verkürzen könntest. Sogebietet es dir die Vernunft; so, und wärest du ein Heide, deinRcchtlichkeitsgcfühl; so, da du in der Würde des Christen da-stehst, Jesus Christus, dein Lehrer, dein Heiland; so das gött-liche Wort! Aber ach, wie Mancher, welchen wir auf denStraßen und in Gesellschaften als einen der Redlichsten des Lan-des ehren, trägt vielleicht in seiner Brust den Vorwurf: auchich bin ein Betrüger des Vaterlandes und meiner mir von Got-tangeordncten Obrigkeit! Wer nicht, wie unser göttlicher Lehrergebeut, dem Kaiser gibt, was des Kaisers ist, o, der hat auchGott nicht gegeben, was Gottes ist!