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Jünger nicht — er hatte Niemand, der die Hoheit seiner Sen-dung und seines weltbescligenden Zieles kannte — einsam stander in der Welt, den Blick auf Gott! Aber mit diesem Blicktrat er muthig in das Grausen des Todes ein.
Zweifle Niemand, daß der weltcrlösende, Tod und Grab be-siegende Held nicht auch Mensch war — Mensch, mit unfernGefühlen und Begierden. Ergriffen nicht auch ihn Furcht undEntsetzen, als die entscheidende Stunde kam? — Als er unterGcthscmane's Oelbäumcn in furchtbarer Todesangst verging,als sein Schweiß wie Blutstropfen ward, die auf die Erde fielen(Luk. 22, 44); als er betend auf sein Angesicht niedersank, undseine ganze Natur in Aufruhr gericth gegen den furchtbaren Opfer-tod, rief da nicht seine bange Seele zu Gott: „Meine Seele istbetrübt bis in den Tod! Mein Vater, ist'S möglich, so gehe dieserKelch von mir!" Dennoch siegte sein Geist über den Einflußseiner irdischen Empfindungen; dennoch wich er nicht von seinenGrundsätzen und heiligen Zielen, sondern er setzte mit erhabenemGemüthe hinzu: „Doch nicht wie Eh will, Vater, sondern wieDu willst!" (Matth. 26, 30.)
Da ward das Urbild der Unschuld von Verbrechern gerichtet;da der Heiligste, welcher jemals auf Erden gewandelt, von Sün-dern zum Tode verurthcilt. Er ging, erschöpft an Kräften, nichterschöpft an Heldenmuth, den Gang nach Golgatha. Sein letztesWort zum Volke war das Wort des Trostes und der Güte: „IhrTöchter von Jerusalem, weinet nicht über mich, sondern weinetüber euch selbst und über eure Kinder!" (Luk. 23 , 20.) Treuseinem göttlichen Zweck, war sein letztes Gebet ein Gebet amKreuze für die Mörder, für die er liebend und segnend starb.
So war der große Kampf vollbracht. Kein Schicksal hatteseinen heiligen Willen bezwungen; aber er schwebte über dieEreignisse des Lebens, über den ohnmächtigen Zorn einer Welt