Druckschrift 
3 (1853)
Seite
312
Einzelbild herunterladen
 

bekannten Grundsätzen handle; aber ihn kann weder Hoffnungnoch Furcht, weder Wollust noch Gefahr bewegen, anders alstugendhaft und wohlthätig für das Glück seiner Mitbürger, fürRecht, Wahrheit und Unschuld zu handeln. Freilich will er nichtdie gebieterischen Umstände gewaltsam ändern, daß sie seinenAbsichten besser entsprechen; aber die Gewalt der Schicksale kannihn auch nicht ändern, so zu denken, zu handeln, zu leben, wieer es für göttlich, wahr und recht hält. Vielmehr er'nimmt mitKlugheit Rücksicht auf Ort, Zeit und Menschen, wie sie ebensind, um sie zu seinen gemeinnützigen, edeln Zwecken zu benutzenund zu leiten, und lernt so sein Schicksal beherrschen, Verhält-nisse unterjochen, statt daß sieden schwachen Menschen beherrschenund leiten.

So handelte der göttliche Weise Jesus Christus. Mit dieserErhabenheit des Gemüths trat er in den Kampf gegen die Schick-sale, die seiner harrten.

Er war von dunkler Geburt, ohne hohen bürgerlichen Rang,ohne glänzenden Reichthum; auf seinen Wink flogen keine Kriegs-heere, bewegten sich keine Nationen. Und dennoch wollte er einegroße Verwandlung des Menschengeschlechts; den Sturz der inallen Wclttheilcn schimmernden Altäre der Götzen; die Anbetungdes allein wahren Gottes, und daß Könige auf den Thronen undBettler an den Krücken den Worten seiner Weisheit folgten.Welch ein Unternehmen!Ist dies nicht des ZimmermannsSohn von Nazareth? " fragten spöttisch, die ihn in seiner Dürf-tigkeit dahin wandeln sahen. Unerschüttert aber wandelte Jesusdie erkornc Bahn für das Heil des menschlichen Geschlechts, undzur Bcseligung derer und ihrer Nachkommen, die sein spotteten.Seine Herkunft, seine Armuth waren ihm keine Hindernisse. Wasfind denn Gold und Geburt in der Geisterwclt? Er wählte