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wie sie Jesus offenbarte. Ein Geist aber, welcher den Gesetzender Sinnlichkeit gehorcht, nur den Gelüsten seines Leibes, derWollust, Bequemlichkeit, Habsucht, Nuhmliebe folgt, oder sichvon den Umständen beherrschen läßt, ob er rechtschaffen sein wolle,oder nicht — der ist ein willenloser Sklave seines Körpers, einSklave der Umstände und Begebenheiten.
So wie Jesus das Urbild der höchsten menschlichen Weisheitwar, so ist auch der wahre Christ ein wahrer Weiser. Der Weiseaber gibt sich zu erkennen durch die erhabene Stärke seines Wil-lens, durch die siegende Kraft seines Geistes, mit der er, allensinnlichen Lockungen, allen Unannehmlichkeiten, allen Schicksalen,allen Hindernissen zum Trotz, dasjenige thut, was er für rechtund wahr und pflichtgemäß und gottgefällig erkannt hat. Mankann seine Gebeine in Fesseln schlagen, aber nicht seine Grund-sätze; man kann seinen Leib tödtcn, aber nicht seinen Geist.
Diese Seelcngröße, mit welcher der Weise den Stürmen desLebens begegnet, dieser Kampf seiner bessern Ucberzeugungen undGrundsätze mit den Schicksalen, die ihn vergebens beugen wollen,ist jederzeit eines der rührendsten und ehrwürdigsten Schauspiele-ES ist etwas Göttliches darin, wenn er, statt sich von seinensinnlichen Schwächen übermanncn zu lassen, sic besiegt; wen» er,statt von Begebenheiten und Ereignissen aller Art in seinen Grund-sätzen wankend zu werden, standhaft dem Schicksal entgcgcnstrebt,und sich über dasselbe erhebt. Da wird Jedermann inne: wahr-lich, der Mensch ist mehr als Staub, mehr als das willenloseWerk der Zufälle; er ist ein Geist, eine Kraft, göttlichen Ur-sprungs, erhaben über das Bcrgänglichc der Dinge, der Herr-schaft und Ewigkeit würdig.
Diese beharrliche Denkart, welche den Weisen auszeichnet,der in den Fußstapfcn des göttlichen Wclterlösers wandelt, istaber keineswegs zu verwechseln mit jenem kleinlichen Eigensinn