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mildere erst die Schmerzen und Leiden Anderer, dann erst gönnedir selbst Vergnügungen. — Was Andern nothwendig, was Andernunentbehrlich ist, das mußt du ihnen zuerst gewähren, dannerst kannst du dir gütlich thun mit dem minder Nothwendigcnund mit Dingen , die du allenfalls entbehren könntest. Denkedich in ihre Lage, und welche Forderungen du an die Mensch-lichkeit und Gerechtigkeit deiner Mitbürger thun würdest. Nunwohlan denn, was du willst, daß dir die Leute thun sollen, dasthue ihnen auch.
2) Sei gerecht gegen dich selbst, ehe du gütig ge-gen Andere bist. Du sollst Andere lieben, wie dich selbst,aber du sollst auch dich lieben, wie Andere, wenn du deine Ehre,deinen guten Namen, die Achtung, welche du zu fordern be-rechtigt bist, muthwillig aufopferst, um Andern, daß sie dichzum Gegenstand ihres Spottes erniedrigen, eine vorübergehendeFreude zu machen: so bist du ungerecht gegen dich selbst, umGüte für Andere zu haben. Wenn du deine eigenen nothwendigcnGeschäfte versäumst, um Andern in Dingen zu dienen, die ihnenohne Schaden auch wohl entbehrlich sein könnten: so bist du un-gerecht gegen dich, um Anderer Ueberfluß zu vermehren. Wenndu dir selbst, deiner Familie, deinen Kindern das zum Lebens-unterhalt und anständigen Fortkommen nöthige Vermögen schmä-lerst, um Andern, die dessen nicht so nöthig bedürfen, Geschenkezu machen: so bist du ungerecht gegen dich und die Deinigen,und, wenn gleich bei den besten Absichten, ein Verschwender,zum Besten solcher, die ohnedem nicht darben würden. Wenndu bescheiden zurücktrittst, während ein Anderer ein Amt begehrt,dem du gewachsen bist, wenn Jener schon Amt und Brod hat,während du mit den Deinigen noch Roth leidest: so ist deineBescheidenheit eine Ungerechtigkeit gegen dich, während du demVortheil schaffest, der ihn schon hat.