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gefühllosen Barbaren. Du sollst Gott mehr gehorchen, als denMenschen, darum verweigere Jedem den Gehorsam, der dich zueiner Sünde nöthigen will.
Doch, dem Himmel sei Dank, nur selten haben wir in unfernTagen, und besonders in christlichen Ländern, gegen dergleichenBefehle zu kämpfen, die wider Gott, Natur und Vernunft strei-ten. Mehr haben wir gegen unsere Eigenliebe den geheimenKrieg zu führen, wenn sie sich anmaßt, den Streit zwischen ein-ander widersprechenden Pflichten zu schlichten. Darum gehe ichzur andern Hälflc des Spruches Christi über:
Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst.Ich habe folglich bei mir selbst gar keinen Vorzug vor Andern.So sehr ich mich liebe, eben so sehr soll ich auch jeden Andernlieben. Auf diesem heiligen Grund, den Jesus selbst gelegt hat,beruht nun mein Benehmen im Streite der Pflichten.
1) Sei erst gerecht gegen Andere, und dann erstgütig gegen dich selbst; das heißt, thue allemal erst gegenAndere, was sic ein Recht haben, von dir zu fordern und zuerwarten, und dann erst thue das, was dir selbst Nutzen bringt.Bringe also Keinen um sein Brod, um dir selbst Ucberfluß zuverschaffen; stürze Niemanden in seinem Amte, um dir eine höhereStelle zu verschaffen; lasse Niemanden verhungern, um dir vondeinen Bequemlichkeiten keinen Abbruch zu thun; sondern lasseJedem, was ihm gebührt, so bist du nur gerecht gegen.'ihn,und noch gar nicht gütig oder wohlthätig.
Sei erst gerecht gegen Andere, dann gütig gegen dich; stilleerst die dringendste Nothdurft deines Nächsten, dann thue dir stlbstmit deinem Ueberflusse wohl. Bekleide erst die Nackten, danngib dir selbst erst Anmuth durch schönere Gewänder und Haus-geräthe; lasse erst den Verdiensten Anderer Gerechtigkeit wider-fahren, dann erst freue dich der Vorzüge, die dich schmücken,